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Wärmedämmung und Schimmel 2

Ist Wärmedämmung gut gegen Schimmelpilz?
Gutachten: Wärmedämmung soll gegen Schimmelpilz helfen
Aus dem richtigen Leben: ein Praxisbeispiel


weiterführend: Gutachten zu Schimmel | Lösungen gegen Schimmel
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Ist Wärmedämmung gut gegen Schimmelpilz?

Das Aachener Institut für Bauschadensforschung und angewandte Bauphysik (AIBau gGmbH) hat eine (natürlich geförderte, denn es geht ja um bzw. für Dämmstoffe) Forschungsarbeit zu Schimmelpilzschäden bei hochwärmegedämmten Neu -und Altbauten vorgelegt, berichtet der Fraunhofer IRB Verlag in seinem Katalog 2008/2009 auf Seite 3. Veröffentlicht wurde das Forschungsergebnis im Buch „Schimmelpilzbefall bei hochwärmegedämmten Neu- und Altbauten“ von Rainer Oswald u.a. (Bauforschung für die Praxis 84). [1]

Demnach soll die These, dass hochwämegedämmte, luftdichte Gebäude vermehrt zur Schimmelpilzbildung neigen, nicht bestätigt worden sein. Dies belege eine Studie der Arbeitsgruppe Raumklimatologie am Universitätsklinikum Jena (ark) zu der speziellen Gruppe der so genannten hochwärmegedämmten Gebäude. „Während Schimmelschäden am Gesamtbestand in Deutschland bei etwa 9,3 % der Wohnungen auftreten, liegt die Zahl bei der Gruppe gut wärmegedämmter Gebäude bei ca. 8,2 %.“



Grafik: Befallsquote von Schimmelpilz in Wohnungen nach [1]


Beim Baunetz Wissen erfährt man ergänzend: Flankierend zu der Studie der ark komme das AIBau nach Durchführung einer bundesweiten Umfrage unter öffentlich bestellten und vereidigten Bausachverständigen zu dem Ergebnis, dass bei hochwärmegedämmten Gebäuden ein vermehrtes Auftreten von Pilzbefall bei den weitaus meisten der Befragten nicht festgestellt wurde. Und auch dort wird angegeben: „Luftdichte und hochwärmegedämmte Gebäude neigen nicht vermehrt zur Schimmelpilzbildung.“

Das Instrument der Umfrage kennen wir schon aus dem Bereich der Klimaforschung, wo federführend das IPCC wissenschaftliche Forschung durch Umfrage ersetzt. Aber das nur nebenher, deshalb muss die Aussagekraft einer Umfrage unter Sachverständigen zu Schimmel in Wohnungen nicht in Frage gestellt werden. Im Ergebnis ist ja auch nicht mehr und nicht weniger ausgesagt, dass hochwärmegedämmte Gebäude neigen nicht vermehrt zur Schimmelpilzbildung würden.

Der Vergleich der Befallquoten von 8,2% zu 9,3% ist tatsächlich nur marginal. Q.e.d? Anders gelesen bedeutet dies aber auch, dass hochwärmegedämmte Gebäude nicht vermindert zur Schimmelpilzbildung neigen. - Aber genau das wird uns immer wieder propagandaartig vorgebetet.

Die korrekte Fragestellung solch einer Untersuchung muss lauten: Führt eine starke Wärmedämmung an Gebäuden zu einer signifikanten Verringerung der Schimmelpilzbildung?

Berlin, 15.09.2008
M. Bumann, DIMaGB

Ergänzung:
Zur Frage, ob ein WDVS sinnvoll gegen Schimmelpilzbildung eingesetzt werden kann:
Gehen Sie zum Ende dieser Seite und klicken Sie den dort befindlichen Link.


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Ein Beispiel aus der Praxis
Wärmedämmung soll gegen Schimmelpilz helfen
(Gutachten / Schlechtachten)

Vorwort:
In diesem Beispiel aus dem wahren Leben geht es darum, wie ein Bauingenieur und ein Verwalter der Eigentümergemeinschaft einzureden versuchen, dass nur ein WDVS (Wärme-Dämm-Verbund-System) am gesamten Gebäude hilfreich sei. der Anlass dürfte überraschen: in zwei Wohnungen trat Schimmel auf und zwar im Bereich eines Außenwandschrankes der Küche. Sie vermuten richtig: dort kommt keine Wärme hin, weil dieser Bereich von der Wirkung des Heizkörpers völlig abgeschirmt ist. Nun gab es Eigentümerparteien, die fanden die Idee nicht so gut, über 150.000 € auszugeben wegen Schimmelbefall in zwei Küchen. Der Sachverhalt erschließt sich aus dem folgenden leicht gekürzten und anonymisierten Text, der sich mit so genannten Gutachten befasst, selbst aber kein Gutachten ist..


"Gutachterliche Stellungnahmen Nr. xxx-2008 und xxx-2008
des Hr. Dipl.-Ing. J.-R. W. (Sachverständiger)
zum Objekt ABC-str. 3-7 in 1xxxx Berlin

Zur Gutachterlichen Stellungnahme Nr. (-1-)

Der Zweck ist mit einer „Beurteilung der Ursache der Schimmelschäden“ in der EG WE A. angegeben (A. auf S. 2). Auf den Seiten 10 und 11 werden – über den Zweck, d.h. die Aufgabenstellung, hinausgehend – Lösungsvarianten erörtert:
• Rückbau des Schrankes
• Einbau von „Klimaplatten“ (was auch immer das sein mag)
• Die Anbringung eines außenseitigen WDVS,
um u.a. eine erhebliche (!) Reduzierung der Energiekosten zu erreichen

Auf Seite 3 steht ein Hinweis zu erfolgten Messungen, deren Ergebnis nicht wiedergegeben wird. Den Eintrag von Wasser „in die Bauteile“ durch Witterung schließt der Sachverständige aus. Er stellt fest: „Die Ursache der Schimmelbildung haben bauphysikalische Ursachen.“ Vom Satzbau abgesehen ist der Wassertransport in Bauteilen auch ein bauphysikalischer Vorgang, insofern erschließt sich der Gehalt nicht so recht.

Der Sachverständige gebraucht oft unbestimmte Begriffe:
• Seite 3 unten: „über einen langen Zeitraum“
• Seite 9 Mitte: Oberflächentemperatur „relativ niedrig“
• Seite 9 Mitte: „bei üblichen Werten der Lufttemperatur“
• Seite 10, F.: „vor Inkrafttreten der „alten“ DIN 4108-3“
Das trägt nicht zur Nachvollziehbarkeit bei.

Satz c. auf Seite 9 wird für den Empfängerkreis schwer verständlich sein. Nehmen wir ein Beispiel: Lufttemperatur 16°C und rel. Luftfeuchte 60% = Taupunkttemperatur 8,2°C. Steigt die Lufttemperatur auf 26°C bei rel. Luftfeuchte 60% = Taupkt.temp. 17,6°C. Dabei hat die Wassermenge in der Luft bereits zugenommen, denn 60% bei 26°C ist bedeutend mehr als bei 16°C, da warme Luft mehr Wasser aufnehmen kann. Was also soll Satz c. aussagen?

Die Feststellung in Satz e. auf Seite 9, dass die Luftbewegung in der Nähe der Außenwand behindert wird, wenn man Möbel nah vor die Wand stellt, ist nicht zu beanstanden. Es ist aber zu hinterfragen, ob diese Luftbewegung und der damit verbundene Wärmeeintrag in die Wandoberfläche hergestellt wird, indem auf der Wandaußenseite ein WDVS angeklebt wird.

Auf Seite 10 oben wird der Wassertransport durch die Außenwand erwähnt. Wer ein WDVS empfiehlt, sollte vorsorglich darauf hinweisen, dass bei EPS (Polystyrol, Styropor) sowohl der diffundive als auch der kapillare Transport behindert bzw. unterbunden werden, unabhängig vom Dämmstoff trägt ein infolge UV-Bestrahlung dichter werdender Kunstharzputz zu dieser Verschlechterung bei.

Zur Gutachterlichen Stellungnahme Nr. (-2-)

Das Inhaltsverzeichnis auf Seite 2 passt nicht zu dem Dokument, das nicht mit Seite 23 endet. Der Zweck wird auf Seite 5 mit einer Energieberatung angegeben. Die Schwerpunkte sind:
• Mindestwärmeschutz
• Schimmelbildung beseitigen bzw. verhindern

Auf Seite 5 unten werden unter C. die Grundlagen des Gutachtens angegeben. Im Vergleich zum ersten Gutachten (siehe S. 2 unten) kommt hier die unter 4. eingerückte Hausverwalterakte hinzu.

Auf Seite 7 kommt der Sachverständige zu der haftungsbewehrten Empfehlung, dass ein WDVS „zwingend notwendig“ sei. Das bedeutet, andere Maßnahmen, egal ob innen oder außen kommen nach Auffassung des Sachverständigen nicht in Frage.

Zum Begriff der zwingenden Notwendigkeit

Hier legt sich der Sachverständige definitiv fest, dass nur ein WDVS in Frage kommt. Dabei geht es, glaube ich, zunächst um die Schimmelprävention in der Wohnung A.. Ich sehe eine zwingende Notwendigkeit zunächst für eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gegeben. Dazu gehört, in die Betrachtungen eine so genannte Temperierung einzubeziehen. Diese Variante ist bedeutend billiger als ein WDVS, aber bei weitem nicht so honorarträchtig.

Das Prinzip ist recht einfach: eine Temperierung der Außenwand herbeiführen, damit durch die höhere Oberflächentemperatur die thermische Behaglichkeit verbessert wird und die Kondensatbildung verringert wird; es genügen (ungedämmte!) Heizungsrohre entlang der Außenwand, die wie ein lang gezogener Heizkörper funktionieren.

Auch wenn es um Energieeinsparung geht, ist Wirtschaftlichkeit vorgeschrieben (Energieeinspargesetz EnEG §5). Es ist fraglich, ob der Vergleich theoretischer Bedarfswerte (siehe Seite 7 unten) hierfür geeignet ist. Eine Untersuchung, ob der Verbrauch auch bei 177-206 kWh/m²a liegt, ist da eher Ziel führend. Das steht so nicht in der DIN, aber die Hausverwaltung hat die Abrechnungsdaten.

Ich persönlich erachte es im Rahmen einer Energieberatung als zwingende Notwendigkeit, meinen Auftraggeber auf die Defizite der Berechnungsverfahren hinzuweisen. Nur weil die in einer Norm stehen (hier DIN 4108, wobei die Teile 4 und 6 Vornormen sind, zu denen seit Jahren Vorbehalte bestehen), müssen die noch lange nichts taugen.

Prof. Hauser hat im Januar 2003 hierzu publiziert. Demnach erlauben die Berechnungsverfahren der Normen keine realistische Einschätzung der Feuchte- und Wärmebilanz von Bauteilen. Dies sollte zum Grundwissen des Sachverständigen gehören.

Zu Gutachten an sich

Ein Gutachten muss nachvollziehbar sein (für den Laien) und es muss nachprüfbar sein (für den Fachmann). Vom Gutachter sind zu erwarten: Unparteilichkeit, Unabhängigkeit, Weisungsfreiheit, Gewissenhaftigkeit und persönliche Aufgabenerfüllung. Feststellungen und Grundlagen sind so darzulegen, dass der Auftraggeber die Schlussfolgerungen verstehen kann. Natürlich darf er zudem erwarten, dass sich der Sachverständige auf der Höhe der Zeit befindet.

Der DIHK gibt das in seiner Muster-Sachverständigenordnung so vor: "Der Sachverständige hat seine Aufträge unter Berücksichtigung des aktuellen Standes von Wissenschaft, Technik und Erfahrung mit der Sorgfalt eines ordentlichen Sachverständigen zu erledigen. Die tatsächlichen Grundlagen seiner fachlichen Beurteilungen sind sorgfältig zu ermitteln und die Ergebnisse nachvollziehbar zu begründen.""

12.09.2008
DIMaGB


Aus dem richtigen Leben:
Bauphysik für jedermann - Teil 4
Der Schrank und die Bauphysik
4.2 Praxis: ein Mess- und Beratungs-Beispiel


Dieses Praxis-Beispiel veranschaulicht die Nutzlosigkeit von WDVS zur Behebung der Schimmelproblematik.


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