Messkurve Raumfeuchte und Raumtemperatur
Übertriebenes Sparverhalten bringt es mit sich, dass die Heizung
"runtergedreht" wird und dass die Fenster zu bleiben. Dank hermetisierender
Gummilippendichtung wird somit jeglicher Luftwechsel unterbunden. Es ist jedoch nicht nur
übertriebene Sparsamkeit oder Geiz die Ursache - vielmehr bekommen die Menschen förmlich
eingebläut, was beim Lüften für immense Lüftungswärmeverluste hervor gerufen werden.
Bei angebrachtem WDVS oder selbst bei monolithischer Bauweise (mit gutem Dämm- und
Speichervermögen) erhöht sich natürlich der Anteil der Wärmeverluste durch Lüftung -
denn die Summe wird allemal 100% bleiben. So werden schnell mal aus 15% nunmehr stolze
(oder soll man sagen: beängstigende?) 30%. So lässt sich dem angsterfüllten Bewohner
leichter suggerieren, dass er nun (nach WDVS und Iso-Fenstern) auch noch in eine
Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung investiert. Doch wie viel sind denn 15 oder 20
oder 30 %?
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Auf dieser Grafik (zum Vergrößern anklicken) sehen Sie den Verlauf von
rel. Luftfeuchte und Raumtemperatur. Gemessen wurde in einem Schlafzimmer bei offen
stehender Tür zur Diele (somit größeres Luftvolumen, alle anderen Türen geschlossen)
im Januar 2003.
Gemessen wurde mit Profi-Messgerät mit Hygro- und mit Thermosensoren,
die Messintervalle waren auf 15 Minuten eingestellt. Die Grafik ist gezoomt. Die Messwerte
sind aufgezeichnet, sie können als Excel-Tabelle exportiert werden - anschaulicher ist
jedoch die grafische Auswertung. |
Gemessen wurde vom 19.01.2003 19:45 Uhr bis 19.01.2003 10:15 Uhr. Was lesen wir aus der
Grafik?
Die Bewohner heizen nicht im Schlafzimmer, die Raumtemperatur liegt zwischen 16 und 17
°C. Wann zu Bett gegangen wurde, lässt sich nicht bestimmen. Festzustellen ist eine
konstante Zunahme der rel. Luftfeuchte. Selbst im kleinen Vorschaubild ist der steile
Anstieg deutlich erkennbar: von rd. 55% auf rd. 66% innerhalb von ca. 12 Stunden! Die
Quelle: Wasserdampf aus der Atemluft von 2 Personen. Die Raumtemperatur verändert sich
nur unwesentlich. Es gibt einen geringen Anstieg, die Maxima liegen zwischen 16,4 und 17,4
°C.
Zwischen 8:15 und 8:30 Uhr stürzt die rel. Luftfeuchte nahezu ab, von rd. 66% auf rd.
51%. Dieser Wert pegelt sich kurz darauf wieder ein: auf die durchschnittlichen 55%.
Weniger dramatisch erfolgt der Temperaturabfall: von 17,1°C auf gerade mal 14,6°C,
mithin nur 2,5°C. Das Einpegeln auf den Durchschnitt von 16°C erfolgt recht schnell
innerhalb von 1,5 Stunden (bei zugedrehtem Heizkörper im Schlafzimmer).
Die Ursache für den Abfall der Messwerte stellt der Vorgang des Lüftens dar, der von
ca. 8:15 bis 8:45 Uhr dauert. Aber wieso steigt die Raumlufttemperatur wieder an, obwohl
der Heizkörper nicht an ist? Die Wände, Decken (Dach- und Geschoss-) und Möbel haben
Wärme gespeichert und geben sie an die Raumluft ab. Dass es dennoch warm ist liegt daran,
dass aus den benachbarten beheizten Räumen (dazwischen liegen 10er GK- Wände) Wärme
zufließt - dem Prinzip gehorchend: vom höheren zum niederen Niveau.
Ohne nun großartig herumzurechnen: riesig kann die Wärmemenge wahrhaftig nicht sein,
die durch das Lüften entfleucht ist. Oder? Dafür sind aber 55% rel. Luftfeuchte ein
guter Wert.
Quelle: dimagb.de, © 2003

:: Gutachter /
Bausachverständiger für Berlin und Brandenburg
Schimmel-Gutachten, Schimmel-Beratung
Das Ausatmen des Menschen
Wasser in der Atemluft
Das Atmungssystem des Menschen arbeitet mit jedem Atemzug im
Durchschnitt 14 mal pro Minute, über 17.000 mal am Tag und etwa 500 Mio. mal
während eines Lebens. Erwachsene Personen atmen gewöhnlich ca. 0,5 Liter mit
jedem Atemzug ein. Ein 68-jähriger hat ca. 300.000 m³ Luft geatmet. Durch tiefes
Einatmen kann das Atemvolumen auf ca. 2,5 Liter erhöht werden.
Angaben zu Atemfrequenzen und Atemvolumina finden Sie zuhauf, auch die
Atemformel
Ein-Aus: O2 21% →
17% und CO2 0,036% →
4,0%.
Angaben zum Wasser in der Atemluft sind offensichtlich sehr dünn gestreut. Zwar
erfolgt eine Rückkondensation beim Einatmen, in der Bilanz für die Raumluft geht
aber ein Anreicherung mit Atemfeuchte ein. Das bedeutet, mit jedem Atemzug gibt
der Mensch Wasserdampf in die Raumluft ab. In Ermangelung angegebner Werte lässt
sich dies auf experimentellem Wege bestimmen.

Bild 1: Messkurve zu Raumtemperatur und Luftfeuchte
Das einfache Experiment besteht darin, dass Sie sich Ihr Hygrometer hernehmen
und anhauchen. Schlagartig steigt die rel. LF auf Werte über 85%. Mehr geht nur,
wenn man den Luftraum um das Hygrometer einschließt, aber so verteilt sich die
warme, feuchte Luft schnell.
In Bild 1 wird ein Messbeispiel gezeigt. Die Raumgröße beträgt hierbei ca. 3,0 x
3,5 x 2,6 m und abzüglich einer dachschräge sind es rd. 25 m³ Raumluftvolumen.
Es handelt sich um ein Schlafzimmer und der relevante Messzeitraum geht von
22:00 bis 8:00 Uhr. Die Zunahme der rel. LF erfolgt von 55% auf 65%. Die
Raumlufttemperatur steigt von ca. 16,0 °C auf ca. 17,5 °C, um in den
Morgenstunden auf ca. 17,0 °C zurück zu gehen.
|
Lufttemperatur |
-20,0 |
-15,0 |
-10,0 |
-5,0 |
0,0 |
5,0 |
10,0 |
15,0 |
20,0 |
25,0 |
30,0 |
°C |
|
Sättigungsdichte |
0,9 |
1,5 |
2,1 |
3,2 |
4,9 |
6,8 |
9,4 |
12,8 |
17,3 |
23,0 |
30,3 |
g/m³ |
Tabelle 2: Werte der Wasserdampfsättigung, Sättigungsdichte cS = max. Wassermenge
in g/m³

Bild 2: Wasserdampfsättigungsdichte der Luft bei 5...30°C
Aus den Werten für 22:00 Uhr mit 16,0 °C und 55% rel. LF sowie von 8:00 mit
17,0°C und 65% rel. LF kann man die Wassermenge errechnen.
22:00 Uhr: 13,7 g/m³ x 0,55 = 7,535 g/m³ | x 25 m³ = 188,4 g = 0,19 l
8:00 Uhr: 14,6 g/m³ x 0,65 = 9,490 g/m³ | x 25 m³ = 237,3 g = 0,24 l
Ergebnis: in 10 Stunden haben die 2 Personen im Schlaf 49 g Wasser netto an die Luft
abgegeben ***. Dabei haben sie 14.400 mal geatmet (2x 12 x 60 x 10) und insgesamt
7,2 m³ (= 7.200 l) Luft ein- und ausgeatmet, das ist weniger als 1/3 des
Raumvolumens.
Dabei haben sie aber auch Wasser verdunstet. Aus
Tabelle 1 ist zu entnehmen,
dass es 30-40 g/h sein können. Diese Werte kann man aber in diesem Beispiel
nicht ansetzen, weil der Mensch sich im Januar bei 16°C gewöhnlich zudeckt. Der
Kopf schaut raus und mal ein Arm. Das meiste schlucken die Matratze und das
Bettzeug. Matratzenexperten geben für eine gute Matratze an, dass sie locker 500
g Wasser über Nacht aufnehmen und tagsüber wieder abgeben kann.
Diese Werte sind errechnete Durchschnittswerte. Z.T. wurde geschätzt, insgesamt
handelt es sich nur um eine Überschlagsrechnung. Sobald eine verlässliche Quelle
gefunden wurde, die die ausgeatmete Wassermenge angibt, wird dieser Artikel
ergänzt. Eigentlich sollte dieser Wert bekannt sein, da diesbezügliche Versuche
zu den Standards in der Humanbiologe gehören ((Luft über eine Gaswaschflasche in
ein Wasserspirometer einblasen, jeweils identische Mengen Raumluft und
Ausatemluft werden durch trockenes Calciumchlorid (stark hygroskopisch)
geleitet, die Gewichtszunahme gibt die Wassermenge an).
*** Dieses Ergebnis widerspricht den
Daten zu den Feuchtequellen. Demnach sind es pro Person 30-40 g/h, was
insgesamt 700 g Wasser entspricht (Wasserabgabe brutto). Demnach müssten 650 g
Wasser von Matratzen, Bettzeug und Raumumschließungsflächen aufgenommen worden
sein. Dieser Wert ist plausibel. Diese 650 ml sollten tagsüber in
die Raumluft gehen, die mit 55% rel. LF (nach dem Lüften!) ja nur etwas mehr als
die Hälfte der maximal möglichen Wassermenge enthält.
23.03.2008
DIMaGB
Querverweise:
:: Feuchtequellen im Wohnbereich
:: Taupunkttabelle, Taupunkttemperatur
::
Schimmel im
Schlafzimmer
:: 10 Goldene Regeln gegen Schimmelpilz

:: Gutachter /
Bausachverständiger für Berlin und Brandenburg
Schimmel-Gutachten, Schimmel-Beratung
Über Probleme des Nachweises der Belastung mit Schimmelpilzen
Die vorgelegten Ergebnisse der Untersuchungen zur Validierung des Nachweises von
Schimmelpilzen in Innenräumen zeigen deutlich, wie viele Faktoren diesen
Nachweis beeinflussen. Physikalische, chemische, biologische und
mikrobiologische Faktoren haben einen Einfluß auf den Nachweis von
Schimmelpilzen sowohl in Material-, als auch in Staub- und Luftproben.
Um so entscheidender ist, dass einer fundierten Beurteilung einer
Schimmelpilzbelastung eine den Gegebenheiten angepaßte Wahl der Nachweismethode
und die Differenzierung der Schimmelpilze vorausgeht. Dies betrifft sowohl die
Auswahl der Nährmedien als auch die Nachweisverfahren in Abhängigkeit des zu
untersuchenden Materials. Nahezu alle Verfahren besitzen Unzulänglichkeiten, da
sie entweder auf den qualitativen oder auf den quantitativen Nachweis
ausgerichtet sind. Eine Voraussetzung zur Beurteilung einer
Schimmelpilzbelastung ist auch die Einschätzung ob ein aktiver Befall oder nur
eine Sekundärbelastung vorliegt. Dies alles bedingt einen hohen Sachverstand.
Die Ergebnisse der Studie lassen folgende Einschätzungen zu:
• die Impaktion stellt bezüglich der Reproduzierbarkeit und der Praktikabilität
die geeignetste Form zur Luftkeimsammlung im Innenraum dar.
• wünschenswert wäre die Etablierung einer validierten Methode zur
Langzeitluftkeimsammlung im Innenraum. Die Probenahme entsprechend der VDI 4252
Blatt 2 ist bezüglich der Reproduzierbarkeit zu optimieren. Dies setzt vor allem
eine Verbesserung der Halterung des Filters voraus. Die Nutzung des PVS
(Volumenstrom = 100 L/h) mit Schraubfilterhalter stellt bezüglich der
Reproduzierbarkeit und der Praktikabilität die geeignetere Form zur
Langzeitluftkeimsammlung im Innenraum dar. Offen sind hier noch Fragen bezüglich
der biologischen Sammeleffizienz.
• der Nachweis von Schimmelpilzen mittels Staubuntersuchung ist mit vielen
Unwägbarkeiten verbunden. Diese Methode des Schimmelpilznachweises sollte daher
nur in Kombination mit anderen Verfahren zur Ergänzung und Abrundung der Aussage
genutzt werden.
• der Nachweis der kultivierbaren und nicht kultivierbaren Schimmelpilzsporen
mittels Partikelsammlung bedarf der weiteren Optimierung. Der Umfang der
Auswertung einer Partikelsammlung ist von der Sporenbelegungsdichte abhängig.
Die Effizienz einer Partikelsammlung wird vor allem von der Sporenart, vom
Volumenstrom und von den Eigenschaften der Sammeloberfläche bestimmt.
Zusammenfassend muß darauf hingewiesen werden, dass die ausschließliche
Verwendung einer Partikelimpaktion nicht geeignet ist, um eine
Schimmelpilzbelastung in der Raumluft sicher nachzuweisen. Partikelsammlungen
sollten daher immer in Kombination mit Luftkeimsammlungen durchgeführt werden.
Es wurde aufgezeigt, dass durch eine nachfolgende Luftkeimsammlung auf
Gelatinefilter die Aussagekraft der Partikelsammlung verbessert werden kann.
Trotz der hier aufgezeigten starken Einschränkungen der Partikelsammlung ist
diese Methode jedoch gut geeignet, um große, schwere Sporen wie die von
Stachybotrys chartarum und von Chaetomium spp. zu erfassen, die zudem häufig bei
Luftkeimsammlungen auf Nährmedien nicht nachweisbar sind.
• beim Nachweis von Schimmelpilzen in bzw. auf Material ist es einerseits
wichtig entscheiden zu können, ob ein aktiver Schaden vorliegt oder nicht,
andererseits ist es auch wichtig, über gesicherte Aussagen bezüglich der
Gesamtzellzahl zu verfügen. In diesem Bereich ist weitere Forschung
erforderlich, wobei u.a. Untersuchungen erforderlich sind, die Aussagen über
eine Grundbelastung der im Handel üblichen Baustoffe erlauben. Nach den
vorliegenden Ergebnissen wird die Ablösungscharakteristik von Pilzstrukturen bei
der Untersuchung von Materialien insbesondere von den folgenden Faktoren
beeinflusst:
- besiedelnde Pilzart
- Materialeigenschaften
- Probenvorbereitungsmethode
Insgesamt kann festgestellt werden, dass für eine Schimmelpilzuntersuchung mit
der Suspensionsmethode poröse Materialien nach Möglichkeit auf eine Größe um
oder unter 0,2 cm Kantenlänge zerkleinert werden sollten und dass durch die
Einwirkung starker Scherkräfte, wie sie bei der Verwendung von Schikanekolben
oder Waring Blender auftreten, die Effektivität der Suspendierung wesentlich
gesteigert werden kann.
• Die Erwartung, dass mit der Fluoreszenzmikroskopie die Erfassung des
Gesamtschimmelpilzgehalts mögliche wäre, konnte nicht bestätigt werden. Zur
Erfassung des Gesamtschimmelpilzgehalts ist die Kombination
kultivierungstechnischer und mikroskopischer Methoden erforderlich.
Der externen Qualitätssicherung kommt bezüglich des Nachweises von
Schimmelpilzen eine besondere Bedeutung zu. Der Ringversuch auf der Basis von
Reinkulturen wurde erfolgreich etabliert. Bezüglich der Etablierung eines
Ringversuchs auf der Basis von realen Proben bedarf es weiterer Optimierung.
Solche Ringversuche erscheinen aber zwingend notwendig. Zur Beurteilung von
Schimmelpilzbelastungen ist es erforderlich, unter einer Vielzahl
unterschiedlicher Schimmelpilzarten beurteilungsrelevante „Indikatororganismen“
nachzuweisen.
aus:
Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit
Innenraum, Förderkennzeichen (UFOPLAN) 201 61 218/03
"Standardisierung von Nachweismethoden für Schimmelpilze im Innenraum zur
Vorbereitung von bundesweiten Ringversuchen" i.A. des UBA, 2003
http://www.apug.de/archiv/pdf/StandardisierungNachweisSchimmel.pdf

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Bausachverständiger für Berlin und Brandenburg
Schimmel-Gutachten, Schimmel-Beratung
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