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Holzzerstörende Pilze
Schwamm
Echter Hausschwamm
Hinweispflicht bei Hausschwamm


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Schwamm, Echter Hausschwamm
Merulius lacrimans, Merulius domesticus

"Heut gehn mer in de Schwammerln", der Name weist schon darauf hin: der Schwamm, der Echte Hausschwamm ist ein Pilz. Er ist eine Pilzart, wie auch der Schimmel eine Pilzart ist, daher der Name Schimmelpilz. Wenn der Gutachter in die Schwammerln geht, findet er oft Hausschwamm oder Schimmel vor.

:: Beispiele aus der gutachterlichen Praxis mit zahlreichen Fotos

Der Hausschwamm ist eine spezielle und einzige Pilzart der Holz bewohnenden Pilze , die Merulius Gruppe. Er gehört zu den Saprophyten, die wachsen auf totem (gefällten, verarbeiteten, eingebauten) Holz. Im Gegensatz wachsen Schmarotzerpilzen als Parasiten auf lebendem Holz.

Hausschwamm entsteht nur auf Holz.
Hausschwamm lebt nur von Holz.
Hausschwamm zerstört nur Holz.

Hausschwamm kann sich aber auch im Mauerwerk "verstecken", er breitet sich dort über viele Meter aus.
Hausschwamm kann sich sogar in Beton ausbreiten.

Es ist nach zwei Artgruppen zu unterscheiden:
1. Echter Hausschwamm
2. Formenkreis der Nassfäuleerreger

Beide sind Holzzerstörer. Hausschwamm benötigt nur zu seiner Entstehung Feuchte, er befällt dann auch trockenes Holz und befeuchtete es. Im Gegensatz zum Hausschwamm benötigen die Naßfäulen ständig Feuchte, bei Trockenheit sterben sie ab, das Myzel zerfällt. "Trockenfäule" ist ist bereits zerstörtes Holz, das wieder getrocknet ist.

Es ist eine Unterscheidung nach Schadenbild möglich:
a) Braunfäule (Destruktionsfäule)
b) Weißfäule (Korrosionsfäule)
c) Verfärbungen

Ist genügend Feuchte vorhanden, ensteht Hausschwamm durch
- Sporeninfektion
- Myzelinfektion
- Überwachsunsginfektion

Der Hausschwamm (murelius domesticus) wächst 4 - 7 mm je Tag bei 14°C. Optimal sind 22°C für das Wachstum, oberhalb 27°C tritt Wachstumsstillstand ein, danach Hitzetod. Die Fruchtkörperbildung erfolgt meist im Dunkeln. Es wurden schon Fruchtkörper mit einer Ausdehnung bis 1,3 m gefunden.

Andere Arten

Noch zu den Murelius Artengehören:
- der Wilde Hausschwamm (Merulius silvester)
- der Kleine Hausschwamm (Merulius minor)

andere wichtige Holzzerstörer:
- Coniphora Arten (brauner Kellerschwamm)
- Polyporus / Poria Arten (weißer Porenschwamm)
- Paxillus Arten (Kellerkrempling)
- Lenzites Arten (Tannenblättling)
- Lentinus Arten (schuppiger Sägeblättling, Zähling)
- Irpex Arten (Eggenschwamm)
- andere (Rindenpilze, reine Blätterpilze)



Holzfeuchteansprüche [%] von Pilzgruppen nach Göbel
Echter Hausschwamm: 10 ... 30%

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5.2. Holzzerstörende Insekten und Pilze

5.2.1. Allgemein

Der Baustoff Holz befindet sich in einem natürlichen Stoffkreislauf. Die durch die Photosynthese gewonnene Energie wird von anderen Organismen, wie Pilze, Bakterien und Insekten, für ihren Stoffwechelsprozeß benötigt. Dabei sind bestimmte äußere Bedingungen, wie Witterungs- und Temperaturänderungen und lange Feuchtigkeit, notwendig. Bei Nässe und Wärme wird das Holz durch die Organismen in seine Grundbestandteile zersetzt. Der biologische Kreislauf wird damit geschlossen. Der Holzschutz ( DIN 68800) beinhaltet Maßnahmen, die physikalisch, chemische und biologische Einflüsse auf das Holz verhindern oder vermindern soll.

5.2.2. Holzschädigende Organismen

5.2.2.1. Holzverfärbende Pilze - Schlauchpilze (Ascomycetes)

Hier gibt es weit über 100 verschiedene Arten. Die wichtigsten sind die Bläuepilze und Sandbräunepilze. Sie verändern die natürliche Farbe de Holzes, beeinträchtigen die Tränkungsmöglichkeit mit Holzschutzmittel und begünstigen die Anfälligkeit gegenüber holzzerstörende Pilze. Bis auf die optische Schädigung haben sie keine weitere Bedeutung. In der Regel werden diese Hölzer dann als minderwertig betrachtet. Die Pilze wachsen ab ca. 5ºC und einer Holzfeuchtigkeit zwischen 13,5 bis 30 %.

5.2.2.2. Holzzerstörende Pilze - Ständerpilze (Basidiomycetes)

Diese bauen die Zellwände des Holzes ab, zerstören sie und bewirken Fäule, die sich in Braun-, Weiß- und Weißlochfäule äußert. Die Wachstumsbedingungen liegen bei einer Temperatur zwischen 0 bis 40$ordm;C und einer Holzfeuchtigkeit von (20) bis 100%. Je nach Art der Pilze werden nur bestimmte Holzarten oder vorwiegend der Splint- bzw. Kernholzanteil angegriffen.

5.2.2.2.1. Braunfäule (Destruktionsfäule)

Diese Pilze verwenden für ihren Stoffwechselprozeß vorwiegend die Zellulose. Im verbleibenden Gerüst ist Lignin, welches die braune Färbung verursacht. Die Holzzellen bzw. die chemischen Verbindungen der Zellulose sind sehr stabil und können von den Hyphen der Pilze nicht allein zerstört werden. An den Hyphenspitzen werden Katalysatoren (Enzyme) freigesetzt, die die Makromoleküle aufspalten. Die Braunfäule ist an der Verwölbung von Brettern, z.B. Sockelverkleidung im Hauseingangsbereich, Türzargen und durch einen Würfelbruch erkennbar.

Typische Vertreter sind:

Echter Hausschwamm
(Serpula lacrimans) vorwiegend nach Wasserschaden im verdeckten Bereich (Holzbalkendecke), der nicht schnell ausgetrocknet wurde, bzw. dort wo immer etwas Feuchtigkeit entsteht, z.B. bei einem undichten Dach
Wilder Hausschwamm im Freien, selten in Gebäuden

Sklerotien Hausschwamm meist im Freien

Kleiner Hausschwamm im Gebäude, auch im Freien

Weißer Porenschwamm
(Antrodia vaillantii) ab HF 40%, das Myzel sieht wie eine Eisblume aus

Brauner Kellerschwamm
(Coniophora puteana) ab HF 40%, im Bergwerk, in den Bauteilen wo lange Zeit ständig hohe Nässe vorhanden ist, Wasserleitungsschaden falsche Konstruktion bei Fachwerkbauten mit Innendämmung, das Myzel sieht wie ein Haarnetz aus

Muschelkrempling HF 40-80%

Sägeblättling vorwiegend im Kernholz von Nadelhölzer ( von außen sieht das Holz in Ordnung aus)

Tannenblättling er kommt meist dort vor, wo eine hohe lokale Feuchtigkeit vorliegt, z.B. unter den Toilettenbecken, die undicht sind.

Eichenwirrling ist ein Kernholzzerstörer und kommt in der Schwelle (meist Eiche) vom Fachwerk vor. Äußerlich ist der Schaden kaum erkennbar.

5.2.2.2.2. Weißfäule (Korrosionsfäule)
Diese Pilze haben sich auf den Abbau des Lignins spezialisiert, so dass die verbleibende Zellulose die Weißfärbung verursacht. Das Holz ist zerfasert. In der Regel benötigen diese Pilze mehr Feuchtigkeit als die Braunfäulepilze.

Zu den typischen Vertretern gehören:

Ausgebreiteter Hausporling
sein Auftreten hat sich in den letzten Jahren erhöht, vor allem kommt er dort vor, wo eine sehr hohe Durchfeuchtung auftritt. Z.B. am Ende eines Dachsparren/Deckenbalken unterhalb einer kaputten Dacheindeckung, unter nicht abgedichteten Duschkabinen u.a. Die vorgefundenen Schäden sind zum Teil wesentlich größer als die von dem daneben wachsenden Hausschwamm

Zimtbrauner Porenschwamm in Dachböden

Großer Rindenpilz im Freien oder auch im Dachböden

Schmetterlingsporling im Freien

5.2.2.2.3. Weißlochfäule

Hier wird Lignin und Zellulose gleichzeitig abgebaut. Es kommt zu Fehlstellen in den Jahresringen. Zu den Stammfäulepilzen gehört der Wurzelschwamm (Fichte) und Kieferbaumschwamm. Im verbauten Zustand ist der Pilz tot. Es ist jedoch zu beachten, dass vorgeschädigtes Holz schneller durch andere holzzerstörende Pilze und Insekten befallen werden kann.

5.2.2.2.4. Moderfäule

Die Moderfäule wird durch die Verfärbung (Vergrauung) und Verlust an Gewicht sowie Festigkeit von bis 98% gekennzeichnet. Sie kommt meist an Holz vor, dass ständig einer großen Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Dadurch wird die Abbautätigkeit anderer Pilze verhindert. Das Holz wird weich und kann z.B. mit dem Fingernagel eingedrückt werden. Diese Holzzerstörung geht in der Regel von Holzoberfläche aus und ist in der Regel bis zu 1 mm tief. Es kommt zur Dunkel- bis Schwarzfärbung. Beim Trocknen entstehen Risse quer zur Faser. Mikroskopisch gesehen, werden durch die Hypen die Zellwände abgebaut. Es entstehen Kavernen bis zum vollständigen Abbau. Es sind eine Reihe von Ascomyceten und Fungi imperfecti, welche die Moderfäule hervorrufen, wie z.B. Chaetomium globosum und Ch.-Arten, fernerhin Stachybotris atra, Rhizoctonia-Arten usw. beteiligt.

aus: Technische Wertminderung durch biologische Schäden in Gebäuden und an Bauteilen
 2001, Peter Rauch
© www.ib-rauch.de

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Hinweispflicht bei Hausschwamm
Erläuterung am Beispiel für Berlin

Bis Mitte der 90-er Jahre haben die Landesbauordnungen in einigen Bundesländern (z.B. Bayern, Brandenburg) die Verpflichtung der Anzeige bei der zuständigen Bauaufsicht bei Feststellung von u.a. Echtem Hausschwamm enthalten (Baurecht ist Länderrecht). Damit ergaben sich automatisch erforderliche Handlungspflichten der Bauaufsicht. Dies ist im Land Berlin nicht der Fall gewesen.

Ungeachtet dieses Tatbestandes enthält die Bauordnung für Berlin (BauO Bln) im § 3 Absatz Handlungspflichten als bauaufsichtliche Generalklausel zur Gefahrenabwehr. Danach sind bauliche Anlagen ... so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen nicht gefährdet werden.

Im § 3 Absatz 2 wird diese Forderung wie folgt ergänzt: Bauprodukte dürfen nur verwendet werden, wenn bei ihrer Verwendung die baulichen Anlagen bei ordnungsgemäßer Instandhaltung während einer dem Zweck entsprechenden angemessenen Zeitdauer die Anforderungen dieses Gesetzes oder aufgrund dieses Gesetzes erfüllen und gebrauchstauglich sind.

Im § 13 „Schutz gegen schädliche Einflüsse“ wird untersetzend darauf verwiesen, dass die bauliche Anlage so beschaffen sein muss, dass u.a. durch pflanzliche und tierische Schädlinge sowie andere chemische, physikalische und biologische Einflüsse Gefahren oder unzumutbare Belästigungen nicht entstehen.
Angewendet auf die Verwendung von Holz für bauliche Anlagen, z.B. für Gebäude, bedeutet das u.a., dass die Dauerhaftigkeit der Holzbauteile sichergestellt sein muss und zwar für die Bauteile, die bei Versagen ansonsten Leben oder Gesundheit, z. B. der Gebäudenutzer, gefährden können. Diese bauaufsichtliche Allgemeinanforderung der Standsicherheit nach § 12 BauO Bln gilt für alle Holzbauteile, die tragende oder aussteifende Aufgaben in baulichen Anlagen erfüllen müssen.

Die Verpflichtung für die Durchführung der Bekämpfungsmaßnahmen liegt in der Verantwortung des jeweiligen Eigentümers des Gebäudes. Der Eigentümer muss die erforderlichen Maßnahmen zur Erfüllung der Anforderungen des § 3 Absatz 1 BauO Bln zur Gefahrenabwehr mit dem Ziel der Gewährleistung der Standsicherheit veranlassen.
Bei fehlender Handlungsbereitschaft kann dieses Handeln u. U. zu Nachbarstreitigkeiten führen, die dann nur auf dem zivilen Rechtsweg zu klären sind. Zwischen den Eigentümern benachbarter Häuser hat es in der Vergangenheit insbesondere hinsichtlich der Verursacherfeststellung für den Pilzbefall und der Wanderungsrichtung des Pilzes durch die Grenzwand häufig Rechtsstreite gegeben.

Fazit:

Für die Durchführung von Bekämpfungsmaßnahmen gegen Holz zerstörende Pilze sieht das Baurecht im Land Berlin keine speziellen öffentlich rechtlichen Regelungen vor.

Hinsichtlich der Anforderung der nachbarrechtlichen Mitwirkung bei der Bekämpfung des Echten Hausschwamms, d.h. die Information über einen Befall und die eingeleiteten/einzuleitenden Maßnahmen kann ich nur auf eine Information, Zusammenarbeit, Einigung oder schlimmstenfalls zivilrechtliche Schritte verweisen.

Quelle:
Auskunft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Referat Oberste Bauaufsicht
vom 16.10.2009

Hinweis:
Beachten Sie in jedem Falle die regionalen Besonderheiten.
Eine Meldepflicht (also an die Behörde) besteht aktuell
nur in Sachsen und in Thüringen.

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