Falls Sie solche Tipps bekommen "Um Feuchtigkeitsnester zu vermeiden,
sollten große Möbelstücke, wie Schränke, nicht an Aussenwänden stehen. Ist
dies nicht zu vermeiden, sollte ein Abstand von mindestens 5-10 cm zur
Aussenwand eingehalten werden, um eine Luftzirkulation hinter den Möbeln
zu erreichen." - ist Vorsicht geboten. Denn das ist nur die Viertel
Wahrheit (also noch nicht einmal die halbe).
Liebe Bauherren und Bewohner (von Häusern und Wohnungen), das ist Mumpitz.
Ihnen helfen nicht einmal 12 cm, wenn
- der Schrank groß ist und fast die gesamte Wandfläche abdeckt
- der Schrank groß ist und fast bis an die Decke reicht
- der Schrank keine Füße hat, also auch unten durch eine Blende die
Luftzirkulation unterbunden wird
- der Schrank auf mindestens einer Seite so nah an der Wand steht, dass
auch da keine Zirkulation stattfindet
- der Schrank so groß ist, dass es strömungstechnisch unmöglich ist, dass
die gesamte Fläche
hinreichend angeströmt wird
- der Raum - oft handelt es sich um das Schlafzimmer, wo das so gewünscht
und sinnvoll ist - schwach beheizt wird.
Tipps, wie man Schimmel im Schlafzimmer hinterm Schrank vermeidet:
- vermeiden Sie die oben beschriebenen Fehler. sofern möglich
- gehen sie auf Nummer "Sicher" durch eine Temperierung der gefährdeten
Bereiche
Bauphysik für jedermann - Teil 4
Der Schrank und die Bauphysik:
4.1 Theorie: ein Rechenbeispiel
Wenn Sie unvorbereitet in diesen Artikel hineinschlittern, ist es
vielleicht besser, dass Sie - sofern noch nicht sattelfest vorhanden - die
Grundlagen aneignen. Anderen Falls werden diese Ausführungen das
bestätigen, was Sie bereits wussten oder vermuteten.
:: Bauphysik für jedermann - Teil 3:
Tauwasser,
Taupunkttemperatur, Taupunkttabelle
(2009)
:: Taupunkttabelle, Taupunkttemperatur
(03.2008)
Das ist nicht alles, was man über die bauphysikalischen Hintergründe der
Entstehung von und der Prophylaxe gegen Schimmel wissen sollte. Zugang zu
mehr an Hintergrundwissen erhalten Sie auf der Auswahlseite.
:: Bautechnik, Bauphysik
Schauen wir nun, wie kompliziert oder einfach die Sache ist. Nehmen wir
zunächst ein theoretisches Beispiel mit einer theoretischen Berechnung, um
dann das Ganze anhand eines Praxisbeispiels zu überprüfen.

Tabelle 1: U-Wert-Berechnung für die Referenzwand nach herkömmlichem
Schema
Als Referenzwand nehmen wir eine 38 cm dicke Ziegelwand mit einer
rohdichte r = 1.400 kg/m². Diese Wand ist innen und außen geputzt, der
U-Wert betrage 1,14 W/m²K. Solch ein Beispiel kommt in der Praxis sehr oft
vor. Die U-Wert-Berechnung ist eine reine Tabellenkalkulation, die an sich
keine Herausforderung darstellt. Man sollte aber wenigstens wissen, dass -
trotz einer durch drei Nachkommastellen vorgegaukelten Genauigkeit -
dieses Verfahren lediglich eine grobe Schätzung liefert. Für eine
oberflächliche / oberflächige und schematische Betrachtung reicht dieses
Schätzkeulen-Ergebnis jedoch aus.

Bild 1: Referenzwand, Temperaturdurchgang nach U-Wert-Theorie
Hinlänglich bekannt sind auch diese Temperaturkurven für die so genannte
Tauperiode. Das ist der Zeitraum gem. Glaser-Verfahren, wo für innen +20°C
und für außen -20°C anzusetzen sind. Die Feuchte wird mit 50% innen und
80% außen angenommen. Tauperiode im Winter bedeutet, dass nach
herrschender Lehrmeinung im Winter die Hauswände feucht werden, die dann
im Sommer, in der Verdunstungsperiode austrocknen.
Selbst Oma Krause weiß, dass es genau umgekehrt ist: im Winter werden die
Wände trocken, denn sie werden trocken geheizt. Im bauphysikalischen
Fachjargon heißt das: gekoppelter Wärme-Feuchte-Transport. Weiterhin weiß
Oma Krause, dass man im Sommer tagsüber die Fenster zulässt, insbesondere
die Kellerfenster. Gelüftet wird sinnvoller weise erst in den
Abendstunden. Tagsüber würde man die Kondensation feucht-warmer Luft im
Gebäude fördern. Im bauphysikalischen Jargon heißt das: im Sommer ist das
Dampfdruckgefälle nach innen gerichtet. Leider hat sich der Kenntnisstand
von Oma Krause noch nicht so richtig in Fachkreisen manifestiert.
Wie dem auch sei, für eine überschlägige Tauwasserberechnung reicht das
Glaser-Verfahren. Problematisch wird es erst, wenn man der mit utopischen
Randbedingungen, zahlreichen Vereinfachungen und Weglassungen
überfrachteten Theorie glaubt. Es genügt eben nicht, wenn die theoretische
Verdunstungsmenge größer ist als die theoretische Tauwassermenge. Wer das
glaubt, hat noch nichts von kapillarem Wassertransport gehört. Prof.
Hauser hat in seinem im Januar 2003 veröffentlichten Forschungsbericht
sehr deutlich diese Defizite herausgestellt.
Die Tauwasserbilanz nach Glaser-Verfahren weist 420 g/m² pro Tauperiode
aus. Das dürfen wir als unschädlich betrachten. Zum einen lässt die DIN
4108 1.000 g/m² zu und die Verdunstungsmenge beträgt 1.470 g. Nun könnte
man beruhigt durchatmen, weil die DIN Entwarnung gibt. Man kann aber auch
auf die Idee kommen zu fragen, was 0,4 Liter Wasser je m² bewirken. Oma
Krause weiß, dass nasse Kleidung nicht so warm hält wie trockenen, deshalb
hängt sie ihren Pullover erst mal auf.
Auf die Frage, ob 0,4 oder 1,0 Liter Wasser je m² die Wärmeleitfähigkeit
der Wandmaterialien beeinflussen, wollen wir an dieser Stelle nicht
eingehen. Lassen wir es mal so stehen, dass bei einer 3 x 10 m großen
Wandscheibe 12 Liter Wasser nichts bewirken. Das Tauwasser entsteht
übrigens in der Zone Mauerwerk-Außenputz bis Oberfläche Außenputz.

Bild 2: dieselbe Referenzwand mit einem Wäscheschrank davor
Bild 2 zeigt uns nun die Situation, wenn ein Schrank vor die Referenzwand
gestellt wird. da Sie nun schon viel über Schimmel im Schlafzimmer gehört
und gelesen haben, befürchten Sie mit recht, dass negative Auswirkungen zu
erwarten sind. Der Schrank im Schlafzimmer, hier mit Handtüchern darin,
wirkt als Innendämmung. Schön, wird nun mancher sagen, da sparen wir halt
noch mehr an Heizenergie, denn eine Innendämmung dämmt ja wohl. Leider
überwiegt hier der negative Aspekt der niedrigen Oberflächentemperaturen
und der damit verbundenen Tauwasserbildung. Der U-Wert der Wand mit dem
Schrank als Innendämmung beträgt übrigens nur noch sensationelle 0,11
W/m²K.

Bild 3: Referenzwand mit Schrank als Innendämmung, Temperaturdurchgang
nach U-Wert-Theorie
Der Schrank als Innendämmung dämmt jetzt so gut, dass im Rauminneren
(diesseits der Oberfläche der Außenwand) Minusgrade entstehen. Das
Temperaturgefälle im Bereich der Handtücher geht von +18,2°C bis -15,2°C.
Das ist die simple Erklärung dafür, dass es schon zum gefrieren von Wäsche
im Schrank im Schlafzimmer gekommen ist.
Nun gibt es ganz Schlaue, die den Leuten einreden, mit einem WDVS
(Außenwanddämmung, Vollwärmeschutz) könnte man dieses Problem beheben.
Dahergeredet ist so schrecklich viel, schauen wir also lieber, was die
Berechnung ergibt. Der U-Wert beträgt nur noch 0,08 W/m²K, er ist fast
schon nicht mehr da. Dieses Energie-Spar-Wunder gelingt uns mit 16 cm
Wärmedämmung WLG 040 (also l = 0,04 W/mK).

Bild 4: wie Bild 3, aber mit einem WDVS an der Außenwand

Bild 5: Referenzwand mit Schrank als Innendämmung und WDVS,
Temperaturdurchgang nach U-Wert-Theorie
Das Temperaturverlaufsbild scheint den Unkern recht zu geben. Das
Temperaturgefälle im Bereich der Handtücher geht jetzt von +18,8°C bis
-4,4°C, vorher waren es +18,2°C bis -15,2°C. Wichtig ist zudem der
Vergleich der Oberflächentemperatur der Wand: sie steigt von -16,8°C auf
nur noch -5,4°C. Das beweist: Dämmung dämmt. Schön, nicht?
Für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh. Was hat uns das 100 €/m²
teure WDVS genutzt? Ist jetzt die Gefahr von Schimmel infolge Tauwasser
gebannt? Nein.
Keine noch so dicke Dämmung kann die Oberflächentemperatur der Außenwad
innen so anheben, dass die Schimmelgefahr gebannt wird Das heißt, nicht in
unserem Beispiel mit dem Schrank im Schlafzimmer vor der Außenwand. Die
Zieltemperatur beträgt rd. +13°C, diese Oberflächentemperatur muss
mindestens erreicht werden. Wobei noch als weitere Randbedingung die
Luftfeuchte zu Berücksichtigen ist. Die soll in Raummitte bei +20°C bei
50% liegen.
Fassen wir kurz zusammen:
Es gibt zwei Randbedingungen
1.) Oberflächentemperatur mind. rd. +13°C
2.) rel. LF bei Normaltemperatur ca. 50%
Warum das so ist, zeigt ein simples Rechenbeispiel. Dazu nehmen wir die
Taupunkttabelle heran.

Bild 6: Zusammenhang zwischen Temperatur und Wasserdampfsättigungsdichte
Nehmen wir, an die Raumluft hat eine Temperatur von +20°C und eine rel. LF
von 50%. Dann sind das absolut 17,3 x 0,5 = 8,65 g Wasser in jedem m³ der
Raumluft. Diese Menge ist tatsächlich in der Luft enthalten. Diese Luft
"wandert" aufgrund des geringen Diffusionswiderstandes auch durch den
Schrank, also durch das Holz der Tür und durch die Handtücher.
Diese Luft mit 8,65 g/m³ gelangt nun in kältere Regionen. Zur Erinnerung:
wir haben weiter oben von Minusgraden gelesen. Die Lufttemperatur zwischen
Schrank und Außenwand hat nur rd. -16,7°C. Wir wissen weiterhin, dass
kalte Luft nicht so viel Feuchte aufnehmen und halten kann wie warme. In
unserem Beispiel bedeutet das: die 16,7°C kalte Luft kann maximal 1,3 g
Wasser je m³ Luft aufnehmen. Da aber Luft mit 8,3 g/m³ Wassergehalt durch
Diffusion ankommt, ist die Sättigungsgrenze rasch überschritten.
|
Temperatur |
5,0 |
10,0 |
15,0 |
20,0 |
|
max. Wasserdampfmenge [g/m³] |
6,8 |
9,4 |
12,8 |
17,3 |
|
rel. LF |
127,2% |
92,0% |
67,6% |
50,0% |
|
Wassermenge [g/m³] |
8,65 |
8,65 |
8,65 |
8,65 |
Tabelle 2: Zunahme der rel. LF mit abnehmender Temperatur
Tabelle 2 verdeutlicht, wie die rel. LF steigt, wenn die Temperatur
abfällt. Über 100% kann sie natürlich nicht ansteigen, insofern ist der
Wert für Lufttemperatur 5°C rein theoretischer Natur. Wenn es anders wäre,
würde im Regenwald nicht ständig das Tauwasser von den Blättern und Ästen
abtropfen.
|
|
Taupunkttemperatur in °C bei einer relativen Luftfeuchte von |
|
'C |
30% |
35% |
40% |
45% |
50% |
55% |
60% |
65% |
70% |
75% |
80% |
85% |
90% |
95% |
|
30 |
10,5 |
12,9 |
14,9 |
16,8 |
18,4 |
20,0 |
21,4 |
22,7 |
23,9 |
25,1 |
26,2 |
27,2 |
28,2 |
29,1 |
|
29 |
9,7 |
12,0 |
14,0 |
15,9 |
17,5 |
19,0 |
20,4 |
21,7 |
23,0 |
24,1 |
25,2 |
26,2 |
27,2 |
28,1 |
|
28 |
8,8 |
11,1 |
13,1 |
15,0 |
16,6 |
18,1 |
19,5 |
20,8 |
22,0 |
23,2 |
24,2 |
25,2 |
26,2 |
27,1 |
|
27 |
8,0 |
10,2 |
12,2 |
14,1 |
15,7 |
17,2 |
18,6 |
19,9 |
21,1 |
22,2 |
23,3 |
24,3 |
25,2 |
26,1 |
|
26 |
7,1 |
9,4 |
11,4 |
13,2 |
14,8 |
16,3 |
17,6 |
18,9 |
20,1 |
21,2 |
22,3 |
23,3 |
24,2 |
25,1 |
|
25 |
6,2 |
8,5 |
10,5 |
12,2 |
13,9 |
15,3 |
16,7 |
18,0 |
19,1 |
20,3 |
21,3 |
22,3 |
23,2 |
24,1 |
|
24 |
5,4 |
7,6 |
9,6 |
11,3 |
12,9 |
14,4 |
15,8 |
17,0 |
18,2 |
19,3 |
20,3 |
21,3 |
22,3 |
23,1 |
|
23 |
4,5 |
6,7 |
8,7 |
10,4 |
12,0 |
13,5 |
14,8 |
16,1 |
17,2 |
18,3 |
19,4 |
20,3 |
21,3 |
22,2 |
|
22 |
3,6 |
5,9 |
7,8 |
9,5 |
11,1 |
12,5 |
13,9 |
15,1 |
16,3 |
17,4 |
18,4 |
19,4 |
20,3 |
21,2 |
|
21 |
2,8 |
5,0 |
6,9 |
8,6 |
10,2 |
11,6 |
12,9 |
14,2 |
15,3 |
16,4 |
17,4 |
18,4 |
19,3 |
20,2 |
|
20 |
1,9 |
4,1 |
6,0 |
7,7 |
9,3 |
10,7 |
12,0 |
13,2 |
14,4 |
15,4 |
16,4 |
17,4 |
18,3 |
19,2 |
|
19 |
1,0 |
3,2 |
5,1 |
6,8 |
8,3 |
9,8 |
11,1 |
12,3 |
13,4 |
14,5 |
15,5 |
16,4 |
17,3 |
18,2 |
|
18 |
0,2 |
2,3 |
4,2 |
5,9 |
7,4 |
8,8 |
10,1 |
11,3 |
12,5 |
13,5 |
14,5 |
15,4 |
16,3 |
17,2 |
|
17 |
-0,6 |
1,4 |
3,3 |
5,0 |
6,5 |
7,9 |
9,2 |
10,4 |
11,5 |
12,5 |
13,5 |
14,5 |
15,3 |
16,2 |
|
16 |
-1,4 |
0,5 |
2,4 |
4,1 |
5,6 |
7,0 |
8,2 |
9,4 |
10,5 |
11,6 |
12,6 |
13,5 |
14,4 |
15,2 |
|
15 |
-2,2 |
-0,3 |
1,5 |
3,2 |
4,7 |
6,1 |
7,3 |
8,5 |
9,6 |
10,6 |
11,6 |
12,5 |
13,4 |
14,2 |
|
14 |
-2,9 |
-1,0 |
0,6 |
2,3 |
3,7 |
5,1 |
6,4 |
7,5 |
8,6 |
9,6 |
10,6 |
11,5 |
12,4 |
13,2 |
|
13 |
-3,7 |
-1,9 |
-0,1 |
1,3 |
2,8 |
4,2 |
5,5 |
6,6 |
7,7 |
8,7 |
9,6 |
10,5 |
11,4 |
12,2 |
|
12 |
-4,5 |
-2,6 |
-1,0 |
0,4 |
1,9 |
3,2 |
4,5 |
5,7 |
6,7 |
7,7 |
8,7 |
9,6 |
10,4 |
11,2 |
|
11 |
-5,2 |
-3,4 |
-1,8 |
-0,4 |
1,0 |
2,3 |
3,5 |
4,7 |
5,8 |
6,7 |
7,7 |
8,6 |
9,4 |
10,2 |
|
10 |
-6,0 |
-4,2 |
-2,6 |
-1,2 |
0,1 |
1,4 |
2,6 |
3,7 |
4,8 |
5,8 |
6,7 |
7,6 |
8,4 |
9,2 |
Tabelle 3: Taupunkttabelle, Bereich +10°C bis +30°C
Die Tabelle 3 ist eine Taupunkttabelle, die von +10°C bis +30°C reicht.
Tiefer muss man eigentlich nicht gehen, weil die Raumtemperaturen im
Normalfall nicht unter 16°C liegen und weil die kritische
Oberflächentemperatur bei rd. +13°C liegt. 50% rel. LF bei +20°C
Raumlufttemperatur bedeuten, die Luft enthält je m³ 8,65 g (siehe Tabelle
2) und die Taupunkttemperatur liegt bei +9,3°C. Diese 8,65 g Wasser je m³
Luft sind bei nur noch +10°C bereits 92% rel. LF und die
Taupunkttemperatur liegt bei +8,4°C. Der vergleich in Tabelle 3 zeigt
zudem, dass sich die Taupunkttemperatur mit zunehmender rel. LF infolge
sinkender Raumlufttemperatur immer mehr der Raumlufttemperatur annähert.
rel. LF
q [°C] |
70% |
80% |
90% |
100% |
|
-20 |
-24 |
-22 |
-21 |
-20 |
|
-15 |
-18 |
-16 |
-15 |
-15 |
|
-10 |
-13 |
-11 |
-11 |
-10 |
|
-5 |
-8 |
-7 |
-6 |
-5 |
|
0 |
-4 |
-3 |
-2 |
0 |
|
5 |
0 |
2 |
3 |
5 |
Tabelle 4: Taupunkttabelle, Bereich +5° bis -20°C / rel. LF 70 - 80 - 90
-100%
Zusammenfassung:
Aus der Tabelle zur Wasserdampfsättigungsdichte und der Taupunkttabelle
leiten wir ab:
1.) mit abnehmender Temperatur kann die Luft immer weniger Wasserdampf
halten
2.) mit abnehmender Temperatur sinkt der Taupunkt
3.) mit abnehmender Temperatur sinkt die rel. LF
4.) mit zunehmender rel. LF nähert sich der Taupunkt der
Raumlufttemperatur an
5.) bei einer rel. LF = 100% gilt: Taupunkt = Raumlufttemperatur
+20°C
                 

Wasserdampfsättigung bei 17,3 g/m³
rel. LF = 50% (8,65 von 17,3)
Taupunkttemperatur = +9,3°C
= 10,7°C unter Raumlufttemperatur
+10°C
          

Wasserdampfsättigung bei 17,3 g/m³
rel. LF = 92% (8,65 von 9,4)
Taupunkttemperatur = +8,4°C
= 1,6°C unter Raumlufttemperatur
Bild 7: der Zusammenhang zwischen Raumlufttemperatur,
Wasserdampfdichte
in der Luft
relativer
Luftfeuchte und Taupunkttemperatur
Was sagt und das in unserem konkreten Beispiel? Die Naturgesetze lassen
sich auch nicht mittels WDVS austricksen. Kenntnis der Grundlagen in
Kombination mit der Befähigung zum Berechnen und zum Ziehen logischer
Schlüsse war schon immer hilfreicher als Gesundbeten und Schönrechnen.
Was tun? Das einfachste wäre zu raten, den Schrank raus zu nehmen. Das
löst zwar partiell das Schimmelproblem an der bisherigen Stelle, schafft
aber ein neues. Der Schrank im Schlafzimmer gehört nun mal zu den ganz
normalen Nutzungsumständen einer Wohnung. Den Schrank von der wand weiter
abrücken, genügt nicht. Ein Baumangel liegt aber auch nicht vor. Also: was
tun?
Die Lösung: hat sich Schimmel gebildet, ist er fachgerecht zu beseitigen.
Dann ist der Bereich zu temperieren. Mit einfachen Mitteln geht das viel
billiger (besser ausgedrückt: kostengünstiger) und wirksamer als mit einem
WDVS von außen. Einen wesentlichen Nachteil hat diese Lösung allerdings:
für bestimmte Beteiligte ergeben sich signifikante umsatztechnische
Beeinträchtigungen.
Bauphysik für jedermann - Teil 4
Der Schrank und die Bauphysik:
4.2 Praxis: ein Mess- und Beratungs-Beispiel
Ein Beispiel aus dem richtigen Leben. Frau B. im B. weg aus B. ruft den
Bauschverständigen Haus-Klinik® zu Hilfe, weil
akuter Verdacht auf Schimmelbefall vorliegt. Der Hausbesuch erfolgte in
der ersten Märzhälfte 2009, die Außenlufttemperatur betrug +5°C.

Bild 8 und 9: Fotos zum Ortstermin, Schrank im Schlafzimmer vor der
Außenwand
Bei
diesem Beispiel steht der Schrank im Schlafzimmer. Er hat keine Füße,
unten ist alles zu. Oben reicht er fast bis an die Decke heran, links sind
es ca. 4 cm Abstand zur Wand (hier: die Innenwand zum benachbarten
Wohnzimmer). Rechts sind es ungefähr 20 cm Abstand zur Wand. Man erkennt
den Heizkörper unterm Fenster, der zum Zeitpunkt der Besichtigung an und
warm war.
Der
Thermo-Hygro-Sensor konnte zwar rechts vom Schrank um die Ecke herum in
den Luftspalt gehalten werden. Aber die 10 cm Abstand davon der Ecke
liefern kein anders Ergebnis als rechts vom Schrank.
Also wurde kurz entschlossen ein Loch gebohrt, um mit dem Pyrometer (IR
Thermometer, berührungslose Messung) die Wandoberflächentemperatur
dahinter zu messen. Dazu muss man sich ein klein wenig beeilen, denn die
zuströmende Luft erwärmt die Wandoberfläche und so wird mit der Zeit das
Ergebnis verfälscht..
Der aufmerksame Leser wird bereits erkannt haben, dass dieses
Praxisbeispiel sehr gut zu dem theoretischen aus Kapitel 4.1 passt. Hier
kommen alle ungünstigen Umstände zusammen, so dass sich Schimmel bilden
muss.
Bild 10: der ausgeräumte Schrank mit dem Loch für die Messung
Die Außenwand ist eine Leichtbauwand, eine Sandwich-Konstruktion aus
Ortschaum zwischen Hartfaserplatten. Innen Tapete, außen Putz. Die
Außenwand wurde nach ein paar Jahren Standzeit mit einem WDVS ergänzt,
sozusagen eine Aufdoppelung einer Styropor-Wand mit Styropor. Also jede
Menge Wärmedämmung mit einem U-Wert < 0,20 W/m²K.
Folgende Werte wurden gemessen:
Außenlufttemperatur: +5°C
mitten im Raum +19°C und 58% rel. LF
Wandoberfläche Außenwand in 1,6 m Höhe in Nähe des Heizkörpers (Bild 8):
+20°C
Wandoberfläche Außenwand kurz über der Sockelleiste: +15,4°C
Wandoberfläche Außenwand hinter dem Bohrloch im Schrank: +12,6°C (dann auf
+13,5°C ansteigend)
Wandfeuchte Referenzflächen: o.A.
Wandfeuchte Schlafzimmerecke auf Stockflecken: 15-16 digits
Wandfeuchte Außenwand hinter dem Bohrloch im Schrank:17-18 digits
Die Wandoberflächentemperatur lag also im kritischen Bereich, +12,6°C sind
grenzwertig (vergl. Kapitel 4.1 oben). Dabei hat bereits eine Abtrocknung
stattgefunden und +5°C sind alles andere als extrem für die
Außenlufttemperatur. Da drängt sich geradezu die Frage auf, ob die
gemessene Situation anhand der Schemata der U-Wert-Theorie darstellbar
ist.

Bild 11: berechneter Temperaturverlauf, +19°C innen, +5°C außen (die Kurve
endet weiter unten bei +5°C)
Die Wand hat, unter Berücksichtigung von 20 cm EPS 040 (Styropordämmung
mit l = 0,04 W/mK) und unter Einbeziehung des
Schrankes als Innendämmung) einen U-Wert von ca. 0,08 W/m²K. Die
berechnete Wandoberflächentemperatur der Außenwand innen beträgt bei +5°C
Außentemperatur rd. +5,1°C bei einer berechneten Oberflächentemperatur der
Schrankrückwand von ca. +10,3°C.

Bild 12: berechneter Temperaturverlauf, +19°C innen, -10°C außen
Die Temperaturkurve in Bild 11 sagt aus: die berechnete
Wandoberflächentemperatur der Außenwand innen beträgt bei -10°C
Außentemperatur rd. -9,9°C bei einer berechneten Oberflächentemperatur der
Schrankrückwand von ca. +1,05°C. Im Winter 2008/2009 gab es über längere
Zeit Temperaturen um die -10°C, auf jeden Fall weit unter +5°C. Das
bedeutet, dass die Wandoberfläche mit Temperaturen unter 0°C tief im
kritischen Bereich lag. Die Folge: Tauwasserbildung und
Schimmelentstehung.
Wenigstens bei diesem Beispiel wird keiner auf die Schnapsidee kommen und
von Schimmelpilzprävention mittels WDVS erzählen. Da die Wand schon fast
zu 85% aus Styropor besteht und das WDVS bereits angebracht ist, erübrigen
sich diesbezügliche Überlegungen. Wie heißt es doch so schön? "Der
Unterscheid zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis am größten."
Die Empfehlung für die Sanierungslösung lautete in Kurzform:
- Schrank abbauen
- Tapete entfernen
- Schimmelvernichter Wand und Schrank
- Sporenvernichter ganze Wohnung d.h. inklusive Schrankinhalte
- Wand und Decke mit ThermoShield streichen
- Temperierung hinterm Schrank
Var. a) Heizrohr weiter schleifen
Var. b) mit einem Heizkabel
Var. a dürfte zweckmäßiger sein und die
Ausführung wie im Beispiel:
Temperierung der Außenwand im Keller statt teurer Injektion
Vorteil: mehr Konvektion, erwärmt Wandoberfläche. besser
- bei Schrank-Wiederaufbau: 10-12 cm Wandabstand
23.03.2009
DIMaGB
weiter zu:
Die Taupunkttabelle & Ein Lüftungsbeispiel
relative Luftfeuchte,
Raumlufttemperatur
Wasserdampfsättigungsdichte
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weiterführend: Gutachten zu Schimmel
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