Krank durch Schimmel
von Ernst Vill, freier Sachverständiger, Baubiologe (IBN)
Text für MMW – Heft 41/Okt.98
Neue und alte Häuser werden heute zunehmen mit Superdämmung und
Superfenstern ausgestattet um den Anforderungen der
Wärmeschutzverordnungen gerecht zu werden, Energie einzusparen und sogar
nach heutigen Vorstellungen noch die Umwelt zu schützen.
Dass sich durch diese, manchmal auch ungeeignete "Schutzmaßnahmen" auch
nachteilige Folgeschäden einstellen, sei es in gesundheitlicher Hinsicht -
durch Schadstoffbelastung oder Schimmelpilzgifte - durch Bauschäden oder
auch durch neue Umweltbelastung mag allgemein weniger bekannt zu sein. Wer
erkrankt kennt diese Zusammenhänge meistens nicht und legt vertrauensvoll
dem Arzt die Verantwortung für seine Gesundheit in die Hände. Wenn der
Arzt jedoch die belastenden Faktoren aus der Wohnsituation seines
Patienten nicht kennt, kann es sie bei seiner Diagnose auch nicht
berücksichtigen.
Fachleute schätzen, dass es in über 60 % der Wohnungen, die nachträglich
gedämmt werden und neue Fenster erhalten Probleme mit hoher
Luftfeuchtigkeit und Schimmelpilz gibt. Für den Mediziner dürfte der für
die menschliche Gesundheit nachteilige Einfluss der Schimmelpilzgifte
bekannt sein.
Schimmelpilzquellen
Neben den bekannten Quellen für Schimmel (Liste keineswegs vollständig)
wie:
-
schimmelnde Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Brot,
Nüsse, Getreide, in Plastik
-
verpackte Lebensmitteln, in Plastiktüten
aufbewahrte Gemüse etc.
-
Abfalleimer, aber auch Biotonnen und
Komposthaufen,
-
Wände, Tapeten, Fußböden, Möbelteile, Stoffe,
Dämmstoffe, Kunststoffe,
Lederkleidung, Schuhe, Seife, Klebern, Silikon, Kunstharzmörtel und
Farben etc.
kommen auch noch versteckte Quellen in Frage wie in
Bauteilschichten eingesperrte Feuchtigkeit, die enthaltene Nährstoffe für
Mikroorganismen aufbereitet. Viele moderne Sanierungsmaßnahmen sperren
Feuchtigkeit ein, durch ungeeignete Materialien, falsche Sperrschichten
etc. Bereits die Einbauküche an der Außenwand kann zur Schimmelbildung
führen, da mangelndem Fachwissen zur Folge auf eine notwendige
Hinterlüftung verzichtet wird.
Die Folge: Die Raumwärme gelangt nicht an die Wand, welche nach außen aber
ständig weiter abkühlt und dann tiefe Oberflächentemperaturen aufweist.
Hier kondensiert schließlich die Raumluft und der Schimmel beginnt auf
Möbelrückseiten und Wandoberflächen unentdeckt zu wachsen. Erste Anzeichen
für seine verborgene Existenz ist dann der "muffige" Geruch, der sich nach
einiger Zeit unangenehm bemerkbar macht.
Ebenso, wie die meisten Naturstoffe enthalten auch Kunststoffe
interessante Inhaltsstoffe für Mikroorganismen. Diese Tatsache ist immer
noch zu wenig bekannt. Enthalten doch heute bereits fast alle Farben für
Anstriche, Mörtel und auch Beton Zusätze von Kunstharzen, die unter dem
Einfluss von dauernder Feuchtigkeit Befall mit Mikroorganismen aufweisen
können. (Sogenannte Mineralische Farben dürfen auch bereits einen
ziemlichen Anteil Kunstharzzusätze enthalten)
Eine führende Fachzeitung für das Malerhandwerk schlägt als neuen
Aufgabenbereich für Maler die "Antischimmelberatung" vor. Kein Wort jedoch
darüber, dass die modernen Farben mit Ihren Kunstharzzusätzen die
bedeutendsten Nährstofflieferanten für Schimmelpilze darstellen. Ein
vorbeugendes vergiften der Farben mit Antischimmelzusätzen kann doch wohl
nicht die Lösung sein, abgesehen davon, dass solche abenteuerlichen
Lösungen nur eine gewisse Zeit Wirkung zeigen und nicht die Ursache
sondern nur das Symptom angehen.
Wichtigste Ursache für das Pilzwachstum ist Feuchtigkeit in Verbindung mit
ausreichenden Temperaturen. In superisolierten und abgedichteten Wohnungen
kommt diese Feuchtigkeit fast immer aus der Raumluft. Bei allen
Versprechungen der Anbieter von Wärmedämmungen und Isolierfenstern in
Bezug auf die damit zu erzielenden Einsparungen beim Heizen wird
vergessen, die Bewohner solcher Häuser über den richtigen Gebrauch
aufzuklären. © Lüftungsleitfaden
So müssen sich die Heiz- und Lüftungsgewohnheiten nach Anbringung einer
nachträglichen Dämmung und neuen dichten Fenstern schlagartig verändern.
Die richtige Regulation der Raumluftfeuchtigkeit wird zum entscheidenden
Faktor in der Vermeidung von hohen Heizkosten, Schimmelpilz und auch
späteren Bauschäden.
Der Wunsch zu sparen und die Angst vor großen Wärmeverlusten führt in
vielen Wohnungen dazu, dass zuwenig geheizt und vor allen zu wenig
gelüftet wird. Keineswegs ist, wie häufig geschrieben wird, bei
auftretendem Schimmel die mangelnde Wärmedämmung in allen Fällen Schuld,
sondern immer häufiger tritt der Schimmel gerade in perfekt abgedichteten
und isolierten Häusern auf!! Die Schweden, deren Dämmstärken bei uns als
vorbildlich gelten, bezeichnen Ihre Superdämmhäuser bereits als
Schimmelhäuser.
Eine Sonderkommission "Schimmelpilz" im Bundesbauministerium brütet
bereits hinter verschlossenen Türen für diese Fälle neue Lösungen aus.
Ihre Empfehlungen gehen sicherlich in Richtung Zwangsbelüftung, die uns
dann auch endlich in den Genuss des in Amerika mehr bekannten Sick -
Building - Syndroms bringen wird.
Feuchtigkeitsursachen und die Folgen moderner Bauweisen
Immer dort, wo Feuchtigkeit eingesperrt wird, kommt es nach den
Erfahrungen in der Bauschadensberatung in der Folge zu nachteiligen
Entwicklungen. Moderne Bauweisen und Materialien haben einen nicht
unerheblichen Einfluss auf das veränderte Raumklima. Alle bisherigen
Maßnahmen zur Energieeinsparung führten in sehr vielen Fällen in der Folge
zu neuen Problemen. Ob es die Abdichtung der Fensterfugen, der
Vollwärmeschutz oder die Zwangsbelüftung war.
Zu den wichtigsten Veränderungen zählen folgende Faktoren:
Dampf- und Luftdichte Fenster
Wärmeschutzverglasung mit begrenzter Lichtdurchlässigkeit
statische Aufladungen an Kunststoffoberflächen
ungeeignete Materialien zum Wärme- Feuchte- und Holzschutz
bauphysikalische Fehler im Aufbau - Dampfsperren, Vollwärmeschutz mit
ungeeigneten Materialien
Dampf- und luftdichte Fenster
Je mehr isoliert und abgedichtet wird, um so wichtiger wird die richtige
Regulation des Feuchtigkeitshaushaltes in den Wohnungen um verdeckten und
offenen Schimmel und andere Folgen zu vermeiden. Einsparungen treten
nicht, wie die Werbung verspricht zwangsläufig ein, sondern erst, wenn
richtiges Heizen und Lüften in den Wohnungen praktiziert wird. Hier hapert
es dann immer an der Aufklärung. Eine verständliche Anleitung zum
richtigen Lüften im Sommer und Winter bringt mein "Lüftungsleitfaden",
ISBN: 3-929240-18-1.
Wärmeschutzverglasung - ein Spiel mit der Gesundheit
Mit gewaltigen Anstrengungen hat man versucht den Wärmeschutz beim Fenster
immer weiter zu verbessern, durch Abdichtung der Fensterfugen oder z.B.
durch Beschichtung der Gläser. Das Ergebnis: Die Wärmeschutzverglasung.
Der k-Wert konnte auf 0,8 abgesenkt werden. Die Ingenieure und
Energiesparer jubeln ob dieses technischen Meisterwerkes. Erreicht wurde
diese Eigenschaft durch eine spezielle Beschichtung der Gläser, die die
Sonne einfangen. Die hochfrequenten Lichtstrahlen können zum Teil
ungehindert durch diese Gläsern herein, die niederfrequente Rückstrahlung
(Infrarotstrahlung) aus dem Raum aber werden durch die Beschichtung
reflektiert und wieder in den Raum zurückgeworfen.
Es kommt zu einer Erwärmung der Raumluft; in manchen Gebäuden mit zu wenig
Speichermasse aber schnell zur Überhitzung, die dann mit Verschattung oder
Kühlung wieder kompensiert werden muss.
Die Crux bei der Beschichtung ist leider, dass die Gläser nicht mehr ganz
durchlässig sind für das gesamte Sonnenlicht. Bestimmte Bereiche des
Lichtspektrums, die aber für Mensch, Tier und Pflanze wichtig sind, werden
ausgefiltert; bleiben draußen.
Der Preis für die kleine zusätzliche Einsparung wird teuer erkauft mit
nicht unerheblichen Nachteilen, deren Folgen heute noch gar nicht
abzusehen sind.
Hinter den Energiesparfenstern darben Mensch und Pflanze an UV-B Mangel.
UV-B Lichtspektren sind für den Menschen sehr wichtig, damit Vitamin D
gebildet wird, um im Dünndarm Calcium aus der Nahrung für Knochen und
Zähne aufzunehmen. Lichtmangel führt beim Menschen also zu
gesundheitlichen Störungen verschiedenster Art wie: Winterdepression,
Osteoporose, Zahnschäden, Herz- Kreislauf, Immunsystem und vieles andere
mehr.
Was weniger bekannt ist, ist ebenfalls nicht unwichtig. UV B Lichtspektren
entkeimen die Luft, töten Viren und Bakterien ab. In manchen Räumen setzt
man zu diesem Zweck sogar spezielle Lampen ein.
In der ehemaligen DDR gab es für Kindergärten eine Vorschrift, dass die
Toilettenfenster (mit den durchlässigen Quarzgläsern) nach Süden
ausgerichtet sein mussten, damit die Sonnenstrahlen die Raumluft entkeimen
konnten, als Vorbeugung gegen ansteckende Krankheiten wie Tuberkulose etc.
Wer bereits ein Supersparhaus mit solchen Fenstern besitzt, darf jetzt für
seine Pflanzen spezielle Lampen kaufen damit sie nicht eingehen. Er selber
kann sich ja möglichst viel draußen aufhalten um den Lichtmangel
auszugleichen. Welchen Sinn macht es kranke Häuser zu bauen, und sie dann
mit Hightech wieder bewohnbar zu machen. Das moderne Haus wird eine
zunehmende Bedrohung für den heutigen Menschen. Fehlende natürliche
Eigenschaften müssen durch technische Lösungen ersetzt werden, die
wiederum neue Probleme mit sich bringen.
Statische Aufladungen an Kunststoffoberflächen
Die meisten Heizsysteme in unseren Wohnungen arbeiten nach dem
Konvektionsprinzip. Am Heizkörper erwärmte Luft steigt auf und zieht von
unten neue Luft nach. Eine Zirkulation entsteht, über die ja die Wärme im
Raum verteilt wird. An Kunststoffoberflächen kommt es durch
vorbeistreichende Luft zu statischen Aufladungen, die eine nachteilige
Wirkung auf das luftelektrische Feld hat.
Der Anteil der ohnehin kurzlebigen Kleinionen in der Luft wird stark
reduziert und langfristig das Immunsystem des Menschen wieder geschwächt.
Kunststoffoberflächen neigen stärker zum "schwitzen". Einmal durch die
Ladung und zum anderen, da sie die Feuchtigkeit nicht aufnehmen wie etwa
Holzoberflächen oder Kalkmörtel.
Ungeeignete Materialien zum Wärme- Feuchte- und Holzschutz
Die Wohnung, die als Zufluchtsort den Menschen "schützen" soll vor Kälte,
Hitze, Regen, Wind wird zunehmen zu einem gefährlichen Ort für seine
Gesundheit. Die Aufzählung der Schad- und Giftstoffe die in unseren
Wohnungen zu finden sind, würde locker ein ganzes Buch füllen.
Materialien oder Stoffe, die eine Gefahr für Umwelt oder Gesundheit
bedeuten verdienen nicht die Bezeichnung "Schutzmittel".
Die Holzschutzmittelskandale, die immer zum Nachteil der Betroffenen
ausfielen, führen uns sehr lebhaft vor Augen, welche Auswirkungen
falsche Schutzprinzipien haben. Eigentlich lebensfeindliche Strategien
wie: "Schutz durch Gift" oder "Töte den Feind" haben
verheerende Folgen hinterlassen. Auch im medizinischen Bereich werden die
Folgen von z.B. übermäßigem Antibiotikaeinsatz (bereits in der Tiernahrung
enthalten) deutlich. Bei schweren Infektionen geht dann häufig die Suche
nach dem noch wirksamen Mittel los. Was ist aber dann, wenn auch der
letzte Trumpf nicht mehr hilft?
Durch falsche Schutzmittel und Schutzmaßnahmen werden langfristig nur neue
Probleme geschaffen. Das gilt für alle Bereiche, nicht nur beim Bauen.
Auch im Klinik- oder Praxisbereich würde man sehr von einer Rückbesinnung
auf den bewährten Kalk für Putz und Anstriche profitieren, schon allein
wegen der antibakteriellen Wirkung des Kalkes.
Bauphysikalische Fehler im Aufbau - Dampfsperren, Vollwärmeschutz
Um Wände vor Feuchtigkeit zu schützen werden drei Maßnahmen eingesetzt,
die alle nicht unproblematisch sind in Bezug auf das Einsperren von
Feuchtigkeit und die folgende Pilzwachstumsproblematik. Es ist die:
durch den wasserabweisend ausgerüsteten Anstrich glaubt
man, die Wand vor Feuchtigkeit zu schützen. Die von innen aufgenommene
Feuchtigkeit kann jedoch nicht mehr genügend nach außen verdunsten, so
dass es zu eine Erhöhung der Wandfeuchte kommen kann, wenn die
Raumluftfeuchtigkeit ständig zu hoch ist. Spätesten nach dem dritten
Anstrich kommt die Verdunstung nach außen vollständig zum erliegen. Die
Erhöhung der Wandfeuchte wirkt sich zum einen auf den Energieverbrauch
negativ aus und was viel schlimmer ist, sie schafft die Grundlage für das
Wachstum der Mikroorganismen - Pilze, Algen, Bakterien.
Bei der Innendämmung mit Hartschaum gibt es folgende Situation. Der
Dämmstoff trennt die Raumwärme von der Wand. Die Wand kühlt nach außen hin
stark ab im Winter. Die Wasserdampfmoleküle gelangen aus der Raumluft
durch den "diffusionsfähigen" Dämmstoff an die kalte Wand und kondensieren
dort. Eine Rückverdunstung ist nicht möglich, da die nötige Wärme nicht in
diese Schicht kommt und das nicht kapillarfähige Dämm-Material das
flüssige Wasser nicht an die Oberfläche zur Verdunstung zurückgelangen
lässt.
Die selbe Problematik tritt im Sommer bei hohen Außentemperaturen beim
Vollwärmeschutz auf. Bei hohen Außentemperaturen kommt es zum "schwitzen"
zwischen Wand und Dämmstoffschicht. Das Wasser kann sich nur (wenn
überhaupt) kapillar nach innen hin ausbreiten. Die Raumluft ist auf Grund
der eigenen hohen Luftfeuchtigkeit nicht in der Lage diese Feuchtigkeit
aufzunehmen und beim Lüften nach außen zu transportieren. Die Folge wie
oben beschrieben.
Mit einer inneren Dampfsperre soll erreicht werden, das Feuchtigkeit aus
der warmen Raumluft in die Wand oder Dämmung gelangt und dort kondensiert.
Dadurch würde die Wand oder Dämmung nass und die Dämmwirkung verlieren.
Dieser Schutz, der im Winter funktionieren kann, wird im Sommer zur
Feuchtigkeitsfalle. Bei höheren Außentemperaturen wandern die
Wasserdampfmoleküle von außen nach innen (Diffusionsumkehr) und
kondensieren vor der Dampfsperre und können nicht wieder raus, da die
Voraussetzungen zur Verdunstung fehlen. Was dann mit Fäulnis beginnt,
endet meistens mit einem ausgewachsenen Bauschaden.
Konstruktive Fehler, ungeeignete Materialien und uninformierte
Hausbewohner führen zu einem Anwachsen der Feuchtigkeitsursachen in
unseren Wohnungen mit all den negativen Folgen die dadurch zu erwarten
sind. Ein Anstieg von Allergien und Gesundheitsschäden durch Pilzbelastung
ist zwangsläufig das Ergebnis. Bei der Behandlung solcher Erkrankungen
sollte vielleicht verstärkt ein Blick auf die Wohnsituation des Patienten
geworfen werden. Während man fieberhaft an der hermetischen Versiegelung
unser Wohnungen arbeitet (Zwecks Energieeinsparung) werfen die
unerwünschten Folgen bereits heute ihre Schatten voraus.
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Kalkverputz und Kalkanstrich - Die Grundlagen
Eine Information von Ernst Vill
Das Interesse an Kalkmörtel, Kalkverputz, Kalkanstrich und Kalkfarbe wächst zunehmend
unter den Häuslebauern und Sanierern. Auch viele Putzhersteller und Malerbetriebe
freunden sich auch so langsam wieder mit dem Kalk an. Noch scheut man sich ein wenig vor
der angeblich umständlichen Verarbeitung. Man wird als Anwender oft noch belächelt oder
manchmal sogar verspottet oder man hat auch nicht genügend Vertrauen, dass der Kalk auch
wirklich hält was er verspricht.
Aber alle modernen, so bequem zu verarbeitenden Neuentwicklungen in diesen Bereichen, in
denen der Kalk seit Jahrtausenden seine königliche Regentschaft zu Recht behaupten
konnte, zeigen unverkennbar ihr Grenzen und auch unangenehme Folgeerscheinungen, so dass
mit der Erinnerung an Altbewährtes (auch gleichbedeutend mit anerkannte
Regeln der Technik) eine Rehabilitation des Kalkes aus der Verbannung
erkennbar ist und sich eine sichtbare Renaissance des Kalkes als Baustoff anbahnt.
Und siehe da, was sich über Jahrtausende bestens bewährt hat, kann auch unsere heutigen
modernen Ansprüche an gesunde Häuser und dauerhafte, haltbare, gebrauchstaugliche
Mörtel, Verputze und Farben problemlos erfüllen. Dr. med. Hubert Palm, den man den Vater
des biologischen Bauens nennt, schreibt in seinem Buch Das gesunde Haus:
Das moderne Haus ist elektrokrank, chemiekrank, oft geopathiekrank, betonkrank,
haushaltskrank, heizungskrank, luftkrank und lichtkrank. Ein typisches Kennzeichen für
diese Krankheiten ist der chronische Verlauf und die eintretende Besserung bei
Abwesenheit.
Der Kalk kann Häuser und Menschen vor Krankheiten schützen. Wenn wir ihn wieder richtig
anwenden lernen, können wir alle seine hervorragenden Eigenschaften für uns nutzen, mit
geringer aber lohnender Mühe und mit geringen Kosten. Seine reinigende klimaregulierende
Wirkung, die leicht wieder aufzufrischen ist, arbeitet ein ganzes Leben lang ohne jegliche
Betriebskosten für unsere Gesundheit und zur Bewahrung unserer Häuser.
Seit jeher gehören Verputz und Anstrich zum traditionellen Bauen. Bereits die alten
Ägypter verwendeten Kalk zur Herstellung von Verputzen, denen bereits damals Hanffasern
zur Verstärkung beigemischt wurden.
Aber fangen wir mal ganz von vorne an.
In der Tier und Pflanzenwelt beobachten wir die unterschiedlichsten Schutzkonzepte. Zum
Schutz vor Hitze, Kälte, Wind und Wetter baute der Mensch sich ebenfalls Schutzräume und
mit dem Bau dieser schützenden Hüllen entwickelte sich über die Jahrtausende ein
ungeheures Fach- und Erfahrungswissen, dass man auch als Baukultur bezeichnen kann. Neben
der künstlerischen Gestaltung ging es vor allem um geeignete Materialien und deren
richtige Verarbeitung und auch um den Technischen Bautenschutz.
In den aktuellen Bauordnungen wie z.B. in der Bayerischen Bauordnung heißt es:
(1) Bauliche Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und zu
unterhalten, dass durch chemische, physikalische, pflanzliche oder tierische Einwirkungen
keine Gefahren, vermeidbare Nachteile oder vermeidbare Belästigungen entstehen.
Häuser sollen die Menschen die darin wohnen schützen und nicht gesundheitlich bedrohen,
wie es heute fast überall der Fall ist. Nach diesen Forderungen der Bauordnung dürfte es
Häuser, die mit Dioxinen, Holschutzgiften oder anderen gefährlichen chemischen Stoffen
oder Schimmelpilzen belastet sind gar nicht geben. Großen Wert legten die Bauordnungen
seit jeher auch auf den Begriff: gebrauchstaugliche Baustoffe. Die Baustoffe sollen für
den jeweiligen Verwendungszweck geeignet sein. Leider kommen zunehmend Bauweisen und
Materialien zum Einsatz, von denen man dieses nicht behaupten kann. Viele Neuentwicklungen
der letzten 20 Jahre können den Begriff anerkannte Regel der Technik noch nicht für sich
in Anspruch nehmen. Fast alle modernen Farben, Kleber, Mörtel und Verputze enthalten
heute mehr oder weniger Kunstharzzusätze, die unter dem Einfluss von Feuchtigkeit zu
Nährstoffen für Mikroorganismen werden und verdecktes oder offenes Pilzwachstum in
Wohnräumen zur Folge haben können.
Bei einer Sanierung nach Schimmelbelastung geht es dann darum die ungeeigneten Materialien
zu entfernen und die natürliche Funktion der Wand wieder herzustellen.
Die natürliche Funktion der Wand
Neben Statik und Optik haben Wände auch noch eine sehr wichtige
klimaregulierende Funktion. Sie müssen mit Wärme und Feuchtigkeit richtig
umgehen können. Zwar behauptet die moderne Bauphysik, dass Wände ja nicht atmen können
- konsequent zu dieser Ansicht werden auch immer häufiger tote Wände als
sogenannter Stand der Technik gebaut - aber die noch immer aktuelle Forderung der
Baubiologie nach atmungsfähigen Wänden ist uralt, sie stammt vom römischen Baumeister
Virtuv, der bereits vor über 2000 Jahren forderte, dass Wände in der Lage sein müssen,
Feuchtigkeit nach außen abzugeben.
Aus der Bauschadenspraxis weiß man heute sehr genau, dass überall dort, wo
Feuchtigkeit eingesperrt wird, über kurz oder lang immer ein Bauschaden entsteht.
Zum Schutz der Fassaden werden heute fast überall wasserabweisende Fassadenfarben
eingesetzt. Der neueste Trend sind sogenannte selbstreinigende Farben. Der
Laie mag glauben, dass es sich hierbei um einen wichtigen Fortschritt handelt. Redet man
den Bauherren doch ständig ein, dass ihre Fassade unbedingt vor Schlagregen
geschützt werden muss.
Bekommen diese schlagregendichten Fassaden aber Risse, treten schlimme und vor allen
kostenträchtige Bauschäden auf. Regenwasser zieht in die Risse ein, breitet sich
kapillar im Baustoff aus und kann nach außen nicht mehr ausreichend verdunsten.
Die Folge ist dann sehr oft, das innen Schäden auftreten, Ausblühungen sich zeigen, oder
sogar der Putz abfällt.
Diese Art Schäden werden immer mehr, seit verbesserte Materialien im großen
Stile angewendet werden. Weder der höher gebrannte Ziegel, noch der hohe Zementanteil,
noch die Kunstharzzusätze bedeuten aus den Sicht der richtigen Funktion der Wand und der
Bauschäden eine echte Verbesserung. Wer offenen Auges durch unsere Städte wandert, wird
überall Putz und Farbschäden an den Häusern erkennen.
Dass selbst Fachleute nasse Wände mit dichten Anstrichen zustreichen
oder mit dichten Dämmstoffen zukleben ist bedauerlich und führt jedes
Bemühen um Energieeinsparung ad absurdum. Man kann durch ungeeignete Mittel oder
Maßnahmen keine wirklichen Verbesserungen erzielen!!!
Der Schweizer Architekt Paul Bossert hat mit einer echten Energieverbrauchsanalyse an
Häuser aus den Jahren 1845 bis 1920 (massive Ziegelbauweise) gezeigt, dass diese Gebäude
in Punkto geringen Energieverbrauch jedes moderne Niedrigenergiehaus in den Schatten
stellen können.
Um langlebige, gut funktionierende und energiesparende Häuser zu bauen, sind also nicht
unbedingt Dämmstoffe erforderlich. Albert Ringlstetter zeigt dazu auch noch auf in seinem
Buch: Einfach richtig bauen, das Häuser mit massiven Mauern nicht teurer sein
müssen als die abenteuerlichen Schichtbauweisen. Sein Rezept kommt aus den wertvollen
Erbe des Altbewährten: 45-50cm starke Außenwände (passend für unsere Klimazone) mit
kleinformatigen Ziegeln mit richtiger Kalkmörtelfuge und Kalkverputz und Kalkanstrich.
Durch die Kalkmörtelfuge waren diese Mauern so elastisch, dass sie Spannungen, die durch
Erwärmung und Abkühlung entstehen, abpuffern konnten. Eine 10 m lange Mauer hat immerhin
zwischen wärmsten und kältestem Tag eine Längendifferenz von bis zu 10 mm. Auch der
Aufbau des schützenden Verputzes geschah nach Erfahrungswerten nach der alten
Maurerregel, dass die Putzlagen von der Mauer nach außen hin magerer gemacht wurden.
Auf diese Weise war auch der Putz fähig, die Volumensveränderungen bei Erwärmung und
Abkühlung mitzumachen, ohne rissig zu werden. Auch die richtige Körnung war wichtig,
früher waren die Putze etwas gröber strukturiert, was aus vielen Gründen vorteilhaft
war. Der Kalkmilchanstrich, der dann den schützenden Abschluss darstellte, entsprach dem
Wesen des Kalkputzes ideal. Kalk braucht viel Feuchtigkeit und auch Zeit um chemisch
richtig abzubinden. (karbonatisieren)
Deshalb wurde der Sumpfkalk zum Anstrich mit viel Wasser verdünnt und in mehreren Gängen
aufgebracht. Das schöne leuchtende Weiß stellte sich dann erst bei der Trocknung ein.
Auch eine schöne Farbgestaltung mit kalkfesten Pigmenten war möglich, allerdings keine
schreienden Farben.
Die beste Zeit für seine Verarbeitung waren Tage mit hoher Luftfeuchtigkeit (langsame
Trocknung) und keine direkte Sonneneinstrahlung. Durch richtige Verarbeitung entstand eine
schützende Feinporenschicht aus wasserunlöslichem Kalk mit sehr guter
Witterungsbeständigkeit und sehr langer Haltbarkeit.
Dieser Kalkanstrich war keine filmbildende dichte Haut wie meisten heutigen
Beschichtungen. Er unterstützte die Funktion von Putz und Mauerwerk auf
ideale Weise. Auch bei Durchfeuchtung im Regen entstand kein Problem, da keine organischen
Bestandteile enthalten waren und eine schnelle Austrocknung nach dem Regen ungehindert
möglich war.
Nahm der Verputz beim Regen Wasser auf, so wurde er durch das Wasser quasi
wasserabweisend. Nach dem Regen konnte sich die Feuchtigkeit auf der Oberfläche
ausbreiten und ungehindert an die Luft verdunsten. Bereits nach 1-2 Std., war der Verputz
wieder abgetrocknet. Der Vorgang der Durchfeuchtung und Abtrocknung konnte sich bei einem
guten Verputz millionenfach wiederholen, ohne Schäden zu verursachen. So gab es kaum
Risse oder Frostschäden an derart meisterlich gemachten Mauern und Verputzen. Selbst die
alten stark bewitterten Fassaden strahlten noch eine gewisse Schönheit beim Altern aus,
was man von den hässlichen Abplatzungen, Abblätterungen und Rissbildungen der modernen
Beschichtungen nicht sagen kann.
Der Kalk kann unser Bemühen nach Energieeinsparung ebenfalls sehr wohl unterstützen.
Seine geringen Materialkosten, seine hygienisch wichtigen Eigenschaften, seine
hervorragende Funktionsfähigkeit, die Nutzung der kostenlosen Sonnenenergie zur
Verdunstung, die Vermeidung von Schimmelbildung etc. Durch fachkundiges Bauen mit Kalk
entstehen funktionsfähige und langlebige Mauern; allein die Vermeidung von Folgeschäden
und Gesundheitsschäden spart Unsummen ein.
Ein interessanter, moderner Kalk-Leicht-Verputz auf der Basis Sumpfkalk-Hanf und
mineralischen Leichtzuschlägen wurde kürzlich entwickelt (Fa. Glück-Kalk,
Oberalm/Hallein) Dieser Verputz lässt sich sehr gut für Neubau/Altbau innen und außen
einsetzen. Die Verarbeiter sind begeistert wegen seiner hervorragenden Verarbeitbarkeit -
sowohl von Hand als auch mit der Maschine.
Es lohnt sich in vieler Hinsicht, sich wieder mehr mit Kalk zu befassen. Er schützt
unsere Häuser und die Menschen, die darin wohnen.
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Vom Umgang mit der Neubaufeuchte
Ein Beitrag von Ernst Vill
Denken Sie auch: "Früher war die Neubaufeuchte ein ernsthafteres Problem als
heute?" Mancher kennt vielleicht noch den Spruch von früher:
"In seinem neuen Haus lässt man im ersten Jahr seine Feinde, im zweiten Jahr
seine Freunde wohnen und im dritten Jahr zieht man selber ein".
Durchschnittlich etwa drei Jahre hat es gedauert bis die Mauern richtig ausgetrocknet
waren. Dabei hat man bewusst das Haus im ersten Winter noch nicht bezogen und leer stehen
lassen. Heute hat man dafür keine Zeit mehr. Im Frühjahr baggert man aus und im Herbst
zieht man bereits ein. Mit dem Einsetzen der Heizperiode kommt dann für viele die
Konfrontation mit der Feuchtigkeit; hohe Luftfeuchtigkeit, beschlagene Scheiben, feuchte
Ecken, Schimmel auf dem Holz im noch nicht fertigen Dachgeschoss etc. Auch im Keller
schimmelt, fault oder rostet es.
Die moderne Neubaufeuchte kann sich also durchaus mit früheren Formen messen. Bei der
Neubaufeuchte haben wir eine Doppelbelastung. Zum einen die Feuchtigkeit, die die Bewohner
täglich zwangsläufig erzeugen (Atmung, Kochen, Duschen, Waschen, Wischen, Wäsche
trocknen, Pflanzen, Aquarien etc.) und zum anderen die verbaute Feuchtigkeit, die nur
allmählich, je nach Aufnahmefähigkeit der Luft und Verdunstungsfähigkeit der
Oberflächen, rausgelüftet werden kann.
Der Einfluss der Feuchtigkeit auf die Heizkosten ist enorm und meistens die beiden
ersten Winter deutlich spürbar. Dabei kann besonders die Winterzeit äußerst hilfreich
sein, zur wirksamen Entfeuchtung des Gebäudes, vorausgesetzt man kennt die Regeln der
Physik und des wirksamen Lüftens.[2]
"Wenn die Not am größten, ist die Hilfe am nächsten"
, sagt ein bekanntes Sprichwort, welches auch für das Lüften in der
Wintersituation zutreffend ist. Gerade in der Zeit mit niedrigen Außentemperaturen ist
Lüften besonders wirksam. Der Grund: Kalte Luft (die selber wenig Wasserdampf enthält)
wird durch Erwärmung trocken und damit erst aufnahmefähig für Feuchtigkeit.
Irrige Vorstellungen
In der Beratung vor Ort begegnet man immer wieder irrigen Vorstellungen betreffs der
Luftfeuchtigkeit. Da glauben einige, der Schimmel in ihrer Wohnung entsteht, weil die
Feuchtigkeit durch undichte Fenster reinkommt, oder weil im Keller Wäsche getrocknet
wird, oder weil ein Bach in der Nähe ist. Andere sparen beim Lüften, aus Angst vor den
großen Wärmeverlusten.
Was manche Wohnungsnutzer praktizieren, ist die Überwindung der Physik. Leider kann
man die täglichen Feuchtmengen nicht á la David Copperfield verschwinden lassen. Wenn
sogar Richter glauben, dass man regelmäßiges Stosslüften einem Mieter nicht zumuten
kann, dann bleibt nur die Frage auf welchem Stern solche Richter leben.
Die physikalischen Grundlagen die mit der Aufnahmefähigkeit der Luft und dem
Wechselspiel zwischen Luftfeuchtigkeit und Materialfeuchte, der rel. Luftfeuchtigkeit, zu
tun haben sind sehr vielen Menschen überhaupt nicht klar, so dass sie hier noch einmal
genauer angeschaut werden sollen. Besonders heut, da Wohnungen hermetisch abgedichtet
werden aus Gründen der Energieeinsparung kommt den Feuchtigkeitshaushalt eine
"brisante" Bedeutung zu.
Die Aufnahmefähigkeit der Luft
Was es mit der Aufnahmefähigkeit der Luft auf sich hat, verdeutlicht am besten ein
Beispiel. Nehmen wir an, ein Eimer Wasser wurde umgestoßen und wir haben eine Wasserlache
von 10 l Wasser am Boden. Ein einfacher Weg, diese Wasserlache schnell wieder aufzunehmen,
ist die, einen Wischlappen zu nehmen, diesen in die Wasserlache einzutauchen, den nassen
Lappen zu nehmen und ihn über dem Eimer wieder auszuwringen. Da aber pro Gang nur eine
kleine Menge Wasser aufgenommen werden kann, muss dieser Vorgang etliche Male wiederholt
werden, um alles Wasser wieder zurück im Eimer zu haben.
Beim ersten Gang war der Lappen noch vollständig trocken und konnte die maximale Menge
(vielleicht ½ - 1 l Wasser) aufnehmen. beim zweiten Male bleibt nach dem Auswringen eine
gewisse Restfeuchte, die die neue Aufnahmemenge etwas reduziert. Je stärker ich
auswringe, um so mehr kann der Lappen aufnehmen. Lasse ich den Lappen länger in der Lache
liegen, erhöht sich die Aufnahmemenge nicht. Wirksame Beseitigung der Wasserlache ist nur
durch mehrmaliges Wiederholen des immer gleichen Vorganges möglich
Übertragen wir das Ganze jetzt einmal auf den Lüftungsvorgang.
Wir öffnen das Fenster und tauschen die verbrauchte Luft kurz aus und schließen das
Fenster wieder. Bereits beim Einströmen durch Kontakt mit warmen Oberflächen und nach
dem Schließen des Fenster beginnt sich die Luft zu Erwärmen; Folge: sie wird trockener,
die relative Luftfeuchtigkeit sinkt. Jetzt kann die Luft wieder neue Feuchtigkeit
aufnehmen. Die rel. Luftfeuchtigkeit steigt dabei wieder an, bis bei etwa 70 % rel.
Luftfeuchtigkeit die Aufnahmefähigkeit ziemlich erschöpft ist (siehe Abschnitt
Wechselspiel zwischen Luftfeuchtigkeit und Materialfeuchte)
Längeres Lüften (Kippfensterlüftung, zu lange Öffnungszeit) ist dabei nicht
wirksamer als eine kurze kräftige Stoßlüftung. Im Gegenteil, es kommt zur Auskühlung
der Oberflächen mit dem Effekt das dann beim Lüften die Erwärmung der Luft zu schwach
ist und die gespeicherte (gepufferte) Feuchtigkeit im Bauteil verbleibt.
Grundsätzlich gilt, wenn es um die Senkung der rel. Luftfeuchtigkeit, um Trocknung
oder um Abbau von Speicherfeuchte geht, sind Lüftungszeiten mit kühleren
Außentemperaturen unbedingt erforderlich. Je kälter es draußen ist, um so effektiver
die Lüftung, um so größer die Erwärmung der Luft. Es geht nur um den Luftaustausch
dabei, der sehr kurz sein kann, wenn gegenüberliegende Fenster geöffnet werden. Bei sehr
kalten Temperaturen genügen bereits wenige m³ Luft um einen spürbaren Effekt zu haben.
Viele fürchten sich vorm Lüften bei kalten Außentemperaturen, weil es ja dann für
einige Minuten richtig frisch wird und vermeintlich so viel Wärme verloren geht.
Tatsächlich ist der Nebeneffekt der Stoßlüftung auch der, dass die Luft mal so richtig
in alle Ecken und Winkel gelangt und hier eine ausgleichende Wirkung entfaltet. Da Luft
sehr schnell Wärme aufnimmt und auch bei Berührung mit kälteren Oberflächen sehr
schnell wieder abgibt, verbessert diese Luftverwirblung bei der Stoßlüftung auch die
Wärmeverteilung bei den Oberflächen. Außerdem wird die in Oberflächenschichten
absorbierte Feuchtigkeit aufgenommen.
Das Beispiel mit der Wasserlache und dem Lappen zeigt, dass wegen der begrenzten
Aufnahmefähigkeit der Vorgang unbedingt häufiger wiederholt werden muss. Für das
Lüften gilt das Gleiche. Wenn pro Lüftungsgang ½ - max. 2 l Wasser "entsorgt"
werden können, muss der Lüftungsvorgang bei Neubaufeuchte sehr oft wiederholt werden um
hohe Luftfeuchtigkeit, Schimmelpilz oder Bauschäden zu vermeiden.
Der Abtransport der von der Luft aufgenommenen Feuchtigkeit geschieht immer erst mit
der nächsten Lüftung, die bei Neubaufeuchte schon nach einer Stunde wieder erfolgen
sollte.
Beim Bauen wird sehr viel Wasser verbaut im Beton, Estrich, Mörtel, Putz, Farbe, etc.
Wird beim mauern von Hohlkammer-Ziegelmauerwerk der Ziegel oben nicht abgedeckt, so dass
der Regen ungehindert eindringen kann, erhöht sich die Speicherfeuchtigkeit erheblich. Am
Ziegel zeigen sich dann außen oft weiße Flecken (Ausblühungen). Bis das Gebäude fertig
ist können einige Tausend Liter Wasser verbaut sein, die dann über Verdunstung
allmählich das Gebäude verlassen.
Erschwerend für die schnelle Abtrocknung sind dichte Putze und dichte Anstriche,
dichte Fliesenoberflächen oder andere versiegelte Oberflächen. Eine Verdunstung nach
außen durch Nutzung der Sonnenenergie fällt bei gedämmten Außenwänden sowieso weg, so
dass Feuchtigkeit nur noch über die Raumluft und den regelmäßigen Luftaustausch
abgeführt werden kann.
Die Voraussetzungen aber für eine wirksame Trocknung ist eine aufnahmefähige Luft
(eine geringe rel. Luftfeuchtigkeit = unter 50 %), die im Sommer aber nur bei kühleren
Außentemperaturen zu erzielen ist. Die normale Situation im Sommer ist, dass wärmere
Außenluft in kühlere Innenräume kommt (besonders die Keller werden hierdurch feucht)
und durch Abkühlung der Luft die rel. Luftfeuchtigkeit ansteigt, bis zu der Sättigung,
bei der weder Wäsche noch Wände abtrocknen können.
Wechselspiel zwischen Luftfeuchte und Materialfeuchte
70 % rel. Luftfeuchtigkeit ist etwa die Grenze, ab der hygroskopische Baustoffe
anfangen Feuchtigkeit aus der umgebenden Luft aufzunehmen. Ist die Luftfeuchtigkeit hoch,
nimmt der Baustoff auf und ist die Luft trocken, gibt der Baustoff seine Feuchtigkeit
wieder an die Luft ab.
Auf diese Weise herrscht ein Wechselspiel zwischen Material- und Luftfeuchtigkeit. 1 %
mehr Feuchtigkeit beim Holz bedeutet 8 l Wasser Pro m³ Holz, beim Ziegel können es
bereits 18 l Wasser sein. Erhöht sich durch unzureichendes Lüften die Ziegelrestfeuchte
von normal 1,5 % auf dann 3 %, so haben wir pro m³ Mauer bereits 54 l Wasser gespeichert.
Sind in einer Wohnung über einen längeren Zeitraum größere Wassermengen gespeichert
worden, kann sogar eine technische Entfeuchtung über Luftentfeuchter erforderlich sein.
Vielleicht begreift der eine oder andere Leser jetzt, wieso ich dem Feuchtigkeitshaushalt
in unseren Wohnungen eine so große Bedeutung beimesse.
Modernes Bauen bedeutet heute leider nicht nur höheren Komfort, sondern oft auch, dass
natürliche Funktionen der Wand vollständig beseitigt werden. Wärmespeicherfähigkeit,
Verdunstungsfähigkeit, Nutzung von Sonnenenergie etc. werden ausgeschaltet und die
fehlenden Funktionen müssen dann durch technische Anlagen kompensiert werden.
Der Feuchtigkeitshaushalt
In unseren gedämmten und super abgedichteten Wohnungen ist es also sehr wichtig, den
Feuchtigkeitshaushalt zu beobachten und richtig zu steuern, um Nachteile der
verschiedensten Art zu vermeiden. Wird in einer Wohnung über längere Zeit täglich mehr
Feuchtigkeit erzeugt, als durch Lüftung wieder nach außen geschafft wird, dann erhöht
sich die Mauerfeuchtigkeit mit den bekannten Nachteilen.
Steigt nach dem Lüften im Winter die rel. Luftfeuchtigkeit gleich wieder sehr hoch,
haben wahrscheinlich Wände und Möbel noch zu viel Feuchtigkeit gespeichert. Mit dem
Hygrometer können wir die Entwicklung der Raumluftfeuchtigkeit beobachten und sie
rechtzeitig durch Stoßlüften wieder senken. So wird auch am Ende noch Energie dadurch
eingespart, weil der Wassergehalt in der Luft und im Baustoff den Energieverbrauch mehr
beeinflusst, als der lächerliche k-Wert, der für massives Mauerwerk ohnehin keine
Gültigkeit hat.
Das einfache Rezept gegen die Doppelbelastung: Neubaufeuchte/Wohnfeuchte heißt
schlicht und ergreifend: im kräftigen Wechsel heizen, lüften, heizen, lüften,
heizen, lüften ......
Je kälter es draußen ist, um so kürzer die Lüftungszeiten, um so wirksamer ist das
Lüftungsergebnis. Was aber der Umsetzung dieses Rezeptes in der Praxis oft im Wege steht
ist die Angst vor den sogenannten Lüftungswärmeverlusten. Wer aber Neubau- oder
Speicherfeuchtigkeit abzubauen hat, darf sich mit dem Unsinn gar nicht beschäftigen, da
es ohnehin keine Alternative gibt.
Der Unsinn mit den Lüftungswärmeverlusten
Zu allererst einmal gibt es einen Lüftungsbedarf. An den Zuluftmengen, die zur
Entsorgung von Feuchtigkeit (zum hygienisch gesunden Wohnen) erforderlich sind, lässt
sich ohne Folgeschäden nichts mehr einsparen. Im Gegenteil; wer am Lüften spart, treibt
damit seine Heizkosten hoch und riskiert auch noch Bauschäden und Schimmel. Die Kosten
für Lüftungswärmeverluste sind sehr gering (etwa 70-100 DM pro Heizperiode in
durchschnittl. Wohnungen) und das liegt an der geringen Wärmespeicherfähigkeit der Luft.
Wer also nicht unvernünftig lüftet, braucht sich wegen Wärmeverlusten beim Lüften
keine großen Gedanken machen.
Technische Trocknung
Die technische Bautrocknung vor dem Einzug ist sicher besser, als die Bewohner in ihr
feuchtes Schicksal einziehen zu lassen. Das Verständnis dafür, wie wichtig bei der
Neubaufeuchte das verstärkte heizen und Lüften ist, haben leiden nicht alle
Hausbezieher. Wird der Bau zur Trocknung beheizt, muss regelmäßig die Luft ausgetauscht
werden. (Gasheizer erzeugen Wasserdampf) Während die Luftentfeuchtung bei geschlossenen
Fenster und Türen geschehen sollte. Bei Holzbauteilen kann eine zu schnelle Trocknung
allerdings zu Bewegung und Rissen führen. Leider wird das Holz im Dachstuhl oft zu nass
eingebaut und es gibt Probleme, wenn zu früh alles verkleidet wird.
Wenn uns heute Sachzwänge und Termindruck zwingen ohne vorherige Austrocknung
frühzeitig einzuziehen, dann sollten die Bewohner wenigstens auf den Kampf mit der
Feuchtigkeit richtig vorbereitet werden, damit sie den Kampf gewinnen können. Wertvolle
Tipps für die natürliche und technische Lüftung gibt der Lüftungsleitfaden. Wenn man
bedenkt, wie viel Investitionen wir heute tätigen um später dann mal Energie dadurch
einzusparen und alle unsere Bemühungen allein durch falsches Lüften vereitelt werden
können, dann sind die 10 DM für den Lüftungsleitfaden eine echt wirtschaftliche
Investition.
[1] Mauerfeuchtigkeit
[2] Lüftungsleitfaden
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Vollwärmeschutz - Sommerproblematik
Ernst Vill, freier Sachverständiger, Baubiologe (IBN)
Bei Farben, Dämmstoffen, Baumaterialien findet man immer den Hinweis
"diffusionsfähig". Der Bauherr oder Kunde glaubt nun, dass diese Materialien
atmungsfähig sind und Feuchtigkeit verdunsten kann. Weit gefehlt!
Diffusionsfähig heißt lediglich: Durchlässig für Gase, oder einfacher gesagt für
trockene Luft mit all ihren gasförmigen Bestandteilen. Trifft diese trockene Luft auf zu
kalte Oberflächen, entsteht Kondensat, geschieht das in einem Bauteil in zu kalten
Bauteilschichten dann spricht man von Tauwasser. Dieses flüssige Wasser breitet sich in
den Baustoffkapillaren in alle Richtungen aus und verdunstet wieder an die Luft, wenn
möglich.
Durch Bauteilschichten, Farben, Dampfbremsen etc. die nicht kapillarfähig
(benetzungsfähig) sind, kann dieses flüssige Wasser nur als Dampf hindurch.
"Nur" diffusionsoffene Bauteile, Materialien oder Schichten sperren also
flüssiges Wasser ein, da sie die kapillare Wasserbewegung zu einer verdunstungsfähigen
Oberfläche verhindern. Damit dieses Wasser wieder herauskann, muss es zuerst im
Bauteil selber verdunsten, um dann als Dampf wieder herauszukönnen.

Wie Skizze 1 zu entnehmen ist, herrscht im Sommer eine Umkehrung der
Wasserdampfdiffusionsrichtung. Es ist außen wärmer als innen. (Die schwarze
stufenförmige Linie zeigt den Temperaturverlauf in der Wand im Sommer)
Der Taupunkt der Außenluft liegt bei 20 °C und über der Mauertemperatur hinter der
Dämmung. In der Schicht zwischen Dämmung und Mauerwerk kommt es zum Tauwasserausfall,
das sich kapillar nur in Richtung Innenraum ausbreiten kann.
Durch die diffusionsoffene aber nicht kapillarfähige Schicht der Dämmung kann
trockene wärmere Luft eindiffundieren und kondensieren aber nicht wieder nach außen
verdunsten, da die dazu nötige Wärme durch die Dämmung abgeschirmt wird, und die
Kapillarfähigkeit den meisten dazu verwendeten Dämmstoffen fehlt.
- Vollwärmegeschützte Häuser sind durch die Dämmung im Sommer innen kühler und
dürfen eigentlich nur zu Zeiten gelüftet werden, in denen es außen kühler ist als
innen, um zusätzlichen Feuchtigkeitseintrag von außen zu vermeiden.
Der zweite Weg, auf dem im Sommer Feuchtigkeit in das innenliegende Mauerwerk gelangen
kann ist der über die Lüftung. Wärmere Außenluft kühlt nach dem Lüften innen ab und
die rel. Luftfeuchtigkeit steigt. Ab etwa 70 % r.F. beginnt sich die Materialfeuchtigkeit
an die Luftfeuchtigkeit anzupassen, da es bereits dann in den Microporen im Baustoff eine
sogenannte Kapillarkondensation gibt, die zur Erhöhung der Materialfeuchtigkeit führt.
Durch Wasserdampfdiffusion und durch falsches Lüften im Sommer kann sich die
Restfeuchtigkeit in der Außenwand erhöhen. In nicht wenigen Wohnungen entsteht sogar
Schimmel im Sommer aufgrund der ständig zu hohen Luftfeuchtigkeit.
- Gerade in der Zeit, die in den Wasserdampfdiffusionsberechnungen als Verdunstungsperiode
bezeichnet wird, in der angeblich das im Winter kondensierte Wasser wieder verdunsten
kann, gelangt zusätzlich Feuchtigkeit in die Wand.
Dämmstoffschichten aus Materialien, die nicht benetzungsfähig sind, (Hartschaum,
hydrophobe Mineral- oder Steinwolle etc.) lassen also trockene Luft durch, nicht aber
flüssiges Wasser. Dieses wird quasi eingesperrt und muss zuerst im Bauteil verdunsten, um
auf dem gleichen Wege zurückzukönnen.
Dampfsperren oder nicht kapillarfähige Bauteilschichten stellen für eine Konstruktion
immer ein Bauschadensrisiko dar, da sie Feuchtetechnisch nicht einwandfrei funktionieren.
Die vollwärmegeschützte Wand weist im Sommer bei Diffusionsumkehr die selbe Problematik
auf, wie eine Innendämmung, die als kritisch bezeichnet wird. Der Grund:
- Die Dämmung sperrt die Wärme aus,
- das hinter der Dämmung liegende Bauteil kühlt unter den Taupunkt der Außen- Luft ab
- die diffusionsfähige Dämmung lässt die Luft durch, die dann hinter der Dämmung
kondensiert
- Dieses Kondensat kann weder nach außen noch nach innen verdunsten, da die dafür
nötigen Bedingungen fehlen
Wenn Fachleute solche Fehler einbauen, wie kann man dann vom Laien erwarten, dass er
mit solchen Konstruktionen fehlerfrei umgehen kann? Für die Bewohner solcher Häuser wird
es immer komplizierter, hohe Luftfeuchtigkeit, hohe Heizkosten, Bauschäden und
Schimmelpilz zu vermeiden.
Seit gut zehn Jahren ist bekannt, dass die reine Betrachtung der Diffusionsprozesse
nach DIN zur Erklärung realer Vorgänge beim Feuchtehaushalt der Gebäudehülle nicht
ausreicht. Kurt Kießl, Leiter der Holzkirchener Freilandversuchsstelle der
Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, fasste das Dilemma folgendermaßen zusammen:
"Die auf dem bekannten Glaser-Verfahren beruhende Diffusionsberechnung mit speziell
fixierten Randbedingungen für Tau- und Verdunstungsperioden hat sich als einfaches
Bewertungsverfahren praktisch durchaus bewährt, insbesondere bei Bauteilen und
Baustoffkombinationen, bei denen Sorptions- und Kapillareffekte keine besondere Rolle
spielen. Zur Analyse bzw. Bewertung tatsächlicher Feuchtentransportvorgänge unter
natürlichen Randbedingungen darf diese Methode allerdings nicht herangezogen werden. Sie
ist dafür auch nicht konzipiert worden. Wenn dies - aus Unwissenheit oder
Missinterpretation - praktisch dennoch geschieht, ist mit Fehlanalysen zu rechnen."
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weiterführend: Gutachten zu Schimmel
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